Das Kantonsspital Graubünden (KSGR) hat im Rahmen einer umfassenden IT-Modernisierung seine Datenbank-Workloads auf eine Oracle-Cloud-Infrastruktur migriert. Konkret hat sich das Spital für Exadata Cloud@Customer entschieden. Im Gespräch mit inside-it.ch gibt Marco Camenisch, ICT Bereichsleiter Infrastruktur Management, Einblicke in das Projekt.
Die Ausgangslage sei kritisch gewesen: "Die bestehende Hardware war etwa acht Jahre alt und am Ende ihres Lebenszyklus. Ich glaube, wir hätten kein Jahr mehr überlebt mit dieser Infrastruktur", erklärt Camenisch. Auf der alten HP-Unix-Cluster-Lösung seien 26 geschäftskritische Oracle-Datenbanken betrieben worden, darunter das Klinikinformationssystem Phoenix, KISIM für die Innere Medizin, SAP und diverse weitere Applikationen.
Bei der Suche nach einer neuen Lösung sei schnell klar geworden, dass eine Oracle-Datenbank alternativlos war. Dies liegt laut Camenisch auch daran, dass die Softwarehersteller gewisse Vorgaben machen. Das KSGR hat sich schliesslich für das Mietmodell mit Oracle Exadata On-Prem entschieden. "Der ausschlaggebende Faktor war die Lizenzierung." Nehme man keine Infrastruktur von Oracle, werde es durch die Lizenzierung teuer, so Camenisch. Weitere Punkte seien die deutlich bessere Performance und der Support von Oracle während der Evaluationsphase gewesen.
Herausfordernde Migration im laufenden 24/7-Betrieb
Die Migration startete im Mai 2024 und musste bis Jahresende abgeschlossen sein. Unterstützung gab es vom Partner Tradeware. "Wir haben die produktiven Datenbanken stringent im Oktober, November und Dezember migriert – fast im Dreitagestakt", führt der Verantwortliche aus. Besonders anspruchsvoll sei die SAP-Migration gewesen, die an einem Wochenende durchgeführt wurde.
Die grösste Herausforderung war der kontinuierliche Betrieb des Krankenhauses: "Ein Spital läuft rund um die Uhr. Unsere Ankündigungen, das Klinikinformationssystem für eine Nacht oder SAP für ein Wochenende abzuschalten, stiessen daher auf wenig Begeisterung." Problematisch seien vor allem schichtübergreifende Systemausfälle gewesen, da die Patientenübergabe vollständig über IT-Systeme erfolgte.
Mehr Performance, weniger Pflege
"Mit dem Wechsel haben wir das Kantonsspital in die nächste Dekade katapultiert", ist Camenisch überzeugt. Die Performance sei um ein Vielfaches besser und auch wirtschaftlich sieht er klare Vorteile: "Wenn man eine Vollkostenrechnung macht, ist die neue Lösung sicher günstiger. Der Pflegeaufwand für die alte Infrastruktur war sehr hoch."
Entsprechend habe sich auch die Arbeitssituation entspannt. Die IT-Abteilung mit ihren rund 65 Mitarbeitenden könne ihre Ressourcen in weitere Modernisierungsprojekte investieren, statt ständig die veraltete Infrastruktur zu pflegen. Derzeit stehe der Austausch der RZ-Server an, zudem komme der Austausch des Netzwerkes auf das Team zu. "Erst wenn diese Basis gelegt ist, ist es sinnvoll, über weiterführende Innovationen nachzudenken", so Camenisch.
Für die Zukunft erwägt das KSGR, Teile der Applikationslandschaft in die Cloud auszulagern. Camenisch betont jedoch: "Ein Spital muss vor allem dann funktionieren, wenn rundherum nichts mehr geht. Wir können somit nicht alles in die Cloud auslagern."