Stadt Solothurn muss noch länger auf neue Gemeindesoftware warten

9. Januar 2023, 11:28
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Foto: Martin Zenker / Unsplash

Eigentlich sollte die Software von Axians am 1. Januar 2021 starten. Nun ist die Rede von 2024. Grund sei die "Kom­ple­xi­tät des Projektes".

Seit langem plant die Stadt Solothurn die Einführung einer neuen Verwaltungssoftware (NVS). Ziel ist eine einheitliche Software für die Bereiche Einwohnerdienste (Schriften und Steuern), Finanzen und Lohnwesen. Zum Einsatz kommen soll Infoma Newsystem von Axians Ruf.
In Solothurn arbeitete man mit der Lösung GeSoft von Ruf, die veraltet war und abgelöst werden sollte. Nachdem Ruf Informatik 2018 von Axians IT&T übernommen worden war, habe eine Projektgruppe der Stadt 2019 Angebote für eine Nachfolgelösung geprüft, berichtet die 'Solothurner Zeitung'. Schliesslich habe man sich gegen eine öffentliche Ausschreibung entschieden und dafür, auf das neue Produkt des bisherigen Lieferanten – nun Axians Ruf – zu setzen.
Für die Umstellung waren laut 'Solothurner Zeitung' (Paywall) 90'300 Franken plus 27'500 Franken für neue Hardware veranschlagt. Dazu sei die Rede von Wartungskosten von rund 56'000 Franken jährlich. Die Gemeinderatskommission bewilligte das Projekt. Der Produktivstart wurde auf den 1. Januar 2021 festgelegt.

"Grosse Probleme" beim Softwarelieferanten

Bald kam es jedoch zu Verzögerungen. Im "Verwaltungsbericht 2020" der Stadt hiess es: "Gegen Ende des Jahres stellte sich heraus, dass es im Bereich Steuern von Seiten des Softwarelieferanten sehr grosse Probleme gab und eine definitive Umstellung per 1. Januar 2021 verunmöglichte. Nach langen Verhandlungen mit dem Softwarelieferanten wurde nun die definitive Einführung der Gesamtsoftware auf den 1. Januar 2022 verschoben."
Doch ein Jahr später wiederholte sich das Bild. "Die Realität war leider anders. Die Softwarelieferantin schaffte es nicht, die offenen Probleme rechtzeitig zu lösen", steht im "Verwaltungsbericht 2021". Das ganze Jahr 2021 sei analog dem Vorjahr wiederum im Zeichen dieser Einführung gestanden: "Viele Planungen, Besprechungen, Videokonferenzen, Korrespondenzen, Zusammenkünfte, Testphasen, teilweise Schulungen, etc." Gegen Ende des Jahres habe sich erneut herausgestellt, dass es im Bereich Steuern von Seiten des Softwarelieferanten "immer noch sehr grosse ungelöste Probleme" gab, die eine definitive Umstellung per 1. Januar 2022 verunmöglichten. Mit einem Ausrufezeichen merkte der Bericht an: "Nun ist eine letzte Einführung auf 1. Januar 2023 geplant!"

Mehrkosten soll Axians tragen

Auch daraus wird nichts. Wie Stadtschreiber Urs Unterlerchner gegenüber der 'Solothurner Zeitung' bestätigt, ist der "definitive Termin" für die vollständige Inbetriebnahme nun auf den 1. Januar 2024 festgelegt. "Die Komplexität des Projekts ist teilweise grösser als gedacht", erklärt er als Begründung. Die Zeitung nennt weiter "holprige Schnittstellen, Schwierigkeiten bei der Migration alter Systeme und eine mühsame Datenbereinigung" als Ursachen für die massive Verzögerung. Axians wollte sich auf Anfrage der 'Solothurner Zeitung' nicht äussern. Man kommentiere keine Kundenprojekte.
Mehrkosten entstehen laut Stadtschreiber Unterlerchner abgesehen von den personellen Ressourcen durch die Verzögerung keine. Einen Betrag nennt er nicht, doch die Mehrkosten würden zulasten des Lieferanten gehen. Diesbezüglich sei eine Einigung erzielt worden.

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