Wahlmanipulation As-a-Service

15. Februar 2023 um 13:14
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Foto: Arnaud Jaegers / Unsplash

Eine israelische Firma hat nach Recherchen von investigativ arbeitenden Reportern gegen Bezahlung weltweit Wahlen manipuliert.

"Team Jorge" ist eine israelische Firma, die unter anderem aus ehemaligen Militärs, Sicherheits- und Geheimagenten besteht. Sie behauptet, sie habe sich bisher in 33 nationale Wahlkämpfe und Abstimmungen eingemischt, unter anderem in Kenia, Nigeria, Asien und Lateinamerika.
Das berichtet ein Team von Reportern des 'Spiegel', der 'Zeit', dem 'Guardian' und dem 'ZDF', die für das Investigativ-Netzwerk "Forbidden Stories" arbeiten. Laut den Berichten setzt "Team Jorge" auf Fake News und Hacking-Methoden, um die Wünsche ihrer Kundinnen und Kunden zu erfüllen. Die Berichte der Journalistinnen und Journalisten basieren auf sechs Stunden heimlich aufgenommener Gespräche, in denen der Firmenchef Tal Hanan und sein Team ihren Service vorstellen. Offenbar war die Firma unter anderem auch für die mittlerweile aufgelöste Firma Cambridge Analytica tätig, die unter anderem die Brexit-Abstimmung und den US-Wahlkampf beeinflusst hatte.

27 von 33 Wahlkämpfen und Abstimmungen "erfolgreich beeinflusst"

Von den 33 nationalen Wahlkämpfen und Abstimmungen seien 27 erfolgreich gewesen, hört man Tal Hanan in der Aufnahme sagen. Für die Manipulation auf sozialen Medien habe das Team eine eigene Plattform namens Aims entwickelt, mit der man verifizierte Nutzerkonten schaffen könne. Nicht alle Behauptungen könnten aber unabhängig überprüft werden, heisst es.
Die Firma hat ihren Sitz den Reportern zufolge in der israelischen Stadt Modiin – diese liegt etwa auf halbem Weg zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Das Team kontrolliere eine "Armee" von mehr als 30'000 Bots, berichtete der britische 'Guardian' am Mittwoch. Diese seien extrem raffiniert gestaltet und gleichzeitig auf verschiedenen Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube vertreten. Das Team sei nach eigenen Angaben auch in der Lage, Telegram und Gmail zu hacken. Mithilfe von Schmutzkampagnen und gestohlenen Informationen werde so die öffentliche Meinung gezielt beeinflusst.
Für seine Dienstleistungen fordere Hanan zwischen 400'000 und 600'000 Dollar im Monat. Den Berichten zufolge wies der israelische Geschäftsmann jegliches Fehlverhalten zurück.

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