Wie geht es bei OpenAI weiter?

21. November 2023 um 15:27
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OpenAI-Mitgründer Sam Altman und Microsoft-CEO Satya Nadella im Jahr 2019. Foto: Microsoft

Schluckt Microsoft den KI-Spezialisten, oder kommt es doch noch zu einer Rückkehr von Sam Altman, so wie es sein ehemaliges Team fordert?

Die Ereignisse bei OpenAI haben sich in den vergangenen Tagen überschlagen: Am Freitag wurde Sam Altman vom Verwaltungsrat entlassen. Wenige Stunden später kündigte Mitbegründer Greg Brockman seinen Rücktritt an. Auch er wurde am Freitag von seinem Posten als Verwaltungsratsvorsitzender enthoben.
Altman und Brockman sollen bei Microsoft, dem wichtigsten Geldgeber von OpenAI, unterschlüpfen.
Kurz nach der Absetzung von Altman meldeten sich die OpenAI-Angestellten zu Wort. In einem offenen Brief forderten sie das Gremium zum Rücktritt auf. Andernfalls würden sie sich Sam Altmans neuem Bereich bei Microsoft anschliessen. Mehrere hundert Personen haben den Brief unterzeichnet.
Eine spezielle Rolle kommt hierbei Ilya Sutskever zu. Der OpenAI-Mitgründer hat den offenen Brief unterzeichnet, war aber auch an der Entscheidung beteiligt, Sam Altman abzusetzen. Er bedaure zutiefst, sich an den Aktionen des Verwaltungsrats beteiligt zu haben, schrieb er am Montag auf X.com. Er habe nie die Absicht gehabt, OpenAI zu schaden, und wolle alles tun, "um das Unternehmen wieder zu vereinen."

Neues Team bei Microsoft

"Microsoft hat einen Platz für jeden, der will", sagte CEO Satya Nadella in einem Interview mit der Tech-Journalistin Kara Swisher. Bei den Redmondern sollen diese in einem Advanced AI Team weiterarbeiten können.
Ob er jetzt OpenAI quasi gratis gekauft habe, wollte Swisher im Gespräch mit Nadella wissen. "Wir waren am Freitagmorgen zufrieden", so der Microsoft-Chef.
Der Erfolg eines neuen Teams innerhalb von Microsoft wird aber angezweifelt. Die Bürokratie eines grossen Konzerns könnte den OpenAI-Angestellten bald zu mühsam werden, heisst es beispielsweise bei der 'Washington Post'.

Was wäre, wenn…?

Mittlerweile haben laut 'Washington Post' (Paywall) 700 der 770 OpenAI-Angestellten den Brief unterzeichnet und drohen mit ihrer Kündigung. Sollten sie diese Drohung wahrmachen, bleibt von OpenAI nicht viel übrig, unabhängig davon, ob sie nun Altman und Brockman zu Microsoft folgen, oder eine andere Stelle annehmen.
Microsoft halte an der Partnerschaft mit OpenAI fest, betonte Nadella – einerseits offensichtlich, um eigene Investitionen zu schützen, andererseits wohl auch um Kunden zu beruhigen. Zwar steht dem KI-Startup noch viel Geld und Rechenleistung zur Verfügung, aber wenn Hunderte von Angestellten zu Microsoft abwandern, würde das kommerzielle Geschäft deutlich geschwächt.

Rückkehr zu OpenAI noch nicht vom Tisch

Mehrere US-Medien spekulieren, dass dies den OpenAI-Vorstand motivieren könnte, Altman doch noch zurückzuholen. Auch andere Investoren sehen die Situation kritisch. So gehören Thrive Capital, Khosla Ventures und Tiger Global Management zu den Anteilseignern, die laut 'Bloomberg' versuchen, den abgesetzten CEO zurück zu OpenAI zu holen.
Gegenüber 'Bloomberg' sagte der Microsoft-CEO, dass sein Unternehmen mit OpenAI zusammenarbeiten werden, unabhängig davon, wo Altman arbeite. Es wirkt, als würde auch Nadella eine Rückkehr von Altman in seine alte Rolle nicht ausschliessen.
Microsoft hat Milliarden von Dollar in OpenAI investiert und hält 49% der Anteile des Unternehmens. Dennoch wurde der Konzern offenbar nicht konsultiert. Trotz grosser Investments in die Firma hat sich der Konzern keine Kontrolle gesichert. Sollte Altman zu OpenAI zurückkehren, wird es wohl auch Veränderungen in der Leitung der Organisation geben.

Stiftung hat Kontrolle

In der Regel erhalten Risikokapitalgeber Sitze im Verwaltungsrat oder Stimmrechte. OpenAI wird aber von seiner gemeinnützigen Muttergesellschaft OpenAI Nonprofit kontrolliert. Somit hätten die Mitarbeiter mehr Einfluss auf den Verwaltungsrat als die Risikokapitalgeber, die das Unternehmen mitfinanziert haben, sagte Jurist Minor Myers zu 'Reuters'.
Dies ist so geplant, da OpenAI als gemeinnützige Organisation begann. Erst 2019 wurde eine gewinnorientierte Tochtergesellschaft gegründet, um Kapital zu beschaffen. Durch die Beibehaltung der Kontrolle über den Betrieb konnte die Non-Profit-Organisation ihren "Kernauftrag, die Leitung und die Aufsicht" beibehalten, heisst es auf der Website des Unternehmens.

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