Als Apple vor 25 Jahren den iPod vorstellte, war es leicht, abzuwinken. Die Welt stand noch unter dem Schock der Terroranschläge auf das World Trade Center in New York, wirtschaftliche Unsicherheit machte sich breit. Und in dieser Situation wollte Apple also 399 US-Dollar für einen digitalen Musikplayer haben? Dieser konnte zudem zunächst nur von Besitzern der Mac-Computer des Konzerns genutzt werden, die damals irgendwo bei weniger als 3% Marktanteil lagen.
Doch allen Zweifeln zum Trotz legte der erste iPod den Grundstein für eine bahnbrechend erfolgreiche Modellreihe, die der von ausufernder Online-Piraterie gebeutelten Musikbranche frischen Atem einhauchte und die Zukunft von Apple bestimmte. Ohne den iPod "hätte es das iPhone nie gegeben", sagte der als einer der "Väter" des Musikplayers bekanntgewordene Tony Faddell jüngst dem Magazin 'Wired'. Und fügte hinzu: "Das bedeutet, dass Apple wie wir es heute kennen ohne den iPod nicht existieren würde."
1000 Songs in der Tasche
Ein iPod-Erfolgsgeheimnis war, dass er ein reales Problem löste. Digitale Audioformate wie MP3, mit denen Musik dank Komprimierungs-Algorithmen nur noch einen Bruchteil des bisherigen Speicherplatzes brauchte, machten ganze Alben-Sammlungen mobil. Theoretisch jedenfalls: Denn es gab zwar tragbare MP3-Player, doch sie hatten meist relativ wenig Speicher und waren schlecht zu bedienen.
Als Apples Mitgründer und damaliger Chef Steve Jobs am 23. Oktober 2001 den ersten iPod aus der Tasche fischte, wartete er gleich mit einem Superlativ auf: Dank seiner eingebauten 5-Gigabyte-Festplatte habe das Gerät, etwa so gross wie ein Spielkarten-Deck, Platz für rund 1000 Songs. Vor dem All-you-can-eat-Büffet von Streamingdiensten wie Spotify war es eine durchaus plausible Grössenordnung für eine komplette private Musiksammlung.
Apple erfindet das Rad
Was den iPod aber wirklich besonders machte, war die Bedienung. Auf dem Monochrome-Display konnte man die Musik sortiert nach Künstlernamen anzeigen lassen oder auch Playlisten sowie einzelne Songs. Die Lösung, um schnell durch grosse Kollektionen zu scrollen: Ein Drehrad mit einem Auswahlknopf in der Mitte.
Die Basis dafür, dass diese Song-Sortierung möglich war, schuf Apple zuvor mit seiner iTunes-Software, mit der man auf dem Mac CDs in eine digitale Mediathek einlesen konnte. Sie war Teil der von Jobs ausgerufenen Strategie, die Apple-Computer zum "Digitalen Hub" für die Multimedia-Inhalte der Nutzerinnen und Nutzer zu machen: Videos, Fotos, Musik. Auf die Idee, den iPod zu bauen, sei Apple überhaupt erst gekommen, weil man ein Gerät haben wollte, das mit der Software integriert sei, sagte Jobs. Bei der Präsentation zeigte er erst 20 Minuten lang die Apps, bevor er den iPod aus der Jeans-Tasche holte.
Das erste iPod-Modell hatte noch ein Rad, das man wirklich drehte. Ab der zweiten Generation 2002 wurde es durch einen Touch-Kreis ersetzt, der die Finger-Bewegungen erkannte. Bei dieser Gelegenheit fügte Apple auch Unterstützung für Windows-PCs hinzu und erweiterte so den iPod-Markt drastisch.
Schnelle Evolution
Überhaupt war das Tempo, mit dem die iPod-Modellfamilie weiterentwickelt wurde, nahezu atemberaubend. Die dritte Generation 2003 führte Buchse und Stecker mit 30 Kontakten ein, die später bis 2012 auch alle iPhones nutzten. 2004 folgte der günstigere und buntere iPod Mini, mit dem neuen Clickrad, in das auch gleich die Stop- und Menütaste integriert waren. Im Jahr darauf kam der kleine iPod Shuffle dazu, der kein Display hatte und auf das Abspielen von Musik im Zufallsmix ausgerichtet war. Zugleich war es das erste Modell mit Flash-Speicher statt der vorher verwendeten Mini-Festplatten. Im selben Jahr kam auch der iPod Nano dazu, dünn wie ein Bleistift, aber mit einem kleinen Farb-Display.
Allein bis Ende 2005 verkaufte Apple mehr als 40 Millionen iPods, und das kurbelte auch die Verkäufe der Mac-Computer an. Die Vorstellung des iPhones 2007 markierte den Anfang vom Ende der iPod-Ära. Es gab zwar bis 2022 noch den iPod Touch – letztlich ein iPhone ohne Mobilfunk – doch es war absehbar, dass mit allgegenwärtigen Smartphones nur wenige einen separaten Musikplayer besitzen wollen würden. Den iPod Classic – inzwischen mit 160 Gigabyte Speichervolumen – stellte Apple 2014 ein, den Nano 2017. 2022 kam dann auch
das Aus für das letzte iPod-Modell, den iPod Touch.
Generation Shuffle
Zwei Jahre nach dem ersten iPod startete Apple den iTunes Music Store mit einem Download-Modell, bei dem nicht nur komplette Alben gekauft werden konnten, sondern auch jeder einzelne Song für 99 US- oder Euro-Cent. Das hatte auf Jahre Folgen für das Geschäft der Musikindustrie. Schliesslich waren Musik-Käufer oft nur an einigen Liedern interessiert, mussten aber früher gleich ganze Alben oder teure Singles erwerben. Die Verkäufe einzelner Songs explodierten. Das digitale Mixtape wurde mit der "Shuffle"-Funktion populärer denn je.
Einige Musiker beklagten, das iTunes-Modell bringe das Album um. So weigerte sich Jay-Z im Jahr 2007, sein Album "American Gangster" in den iTunes Store zu bringen. Filme würden auch nicht als einzelne Szenen verkauft, und diese Song-Zusammenstellung sei auch nicht dafür gedacht, auseinandergerissen zu werden, argumentierte er damals.
Die Album-Kontroverse entspannte sich mit heutigen Abo-Diensten, bei denen man für eine monatliche Gebühr Zugang zu Dutzenden Millionen Songs bekommt.