Apple riegelt seine Cloud ab und wirft den Schlüssel weg

8. Dezember 2022, 10:04
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Foto: Jason Blackeye / Unsplash

Der Konzern plant ein rigides Verschlüsselungssystem für den hauseigenen Cloudspeicher. Usern gefällt das, den US-Straf­verfolgungs­behörden hingegen nicht.

Apple wird in seinem Cloud-Speichersystem künftig weltweit vollständig verschlüsselte Backups von Fotos, Chatverläufen und den meisten anderen sensiblen Nutzerdaten ermöglichen. Apple nennt das "Advanced Data Protection" und stellt die Funktion bis Jahresende allen US-Nutzenden zur Verfügung. Ab Anfang 2023 soll der Schutz auch für den Rest der Welt verfügbar sein.
Das teilte der iPhone-Konzern mit. Durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werden die sensiblen Daten besser vor einem Zugriff durch Hacker und Spione geschützt. Allerdings werden die Daten damit auch für Strafverfolgungs­behörden unerreichbar. Daher hatten die US-Bundespolizei FBI und andere Institutionen Apple davor gewarnt, diesen Schritt zu unternehmen.
Apple versucht sich seit vielen Jahren als Anbieter zu positionieren, der mehr für den Schutz der Privatsphäre seiner Kundinnen und Kunden unternimmt als andere Big-Tech-Unternehmen. So wird das Apple-Nachrichtensystem iMessage durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den Apple-Geräten geschützt. Die Inhalte können nur auf den beteiligten Geräten selbst gelesen werden, nicht aber von Apple, dem Telefondienstanbieter oder der Polizei, auch wenn sie einen Durchsuchungsbefehl hat.

Künftig kein Zugriff für Behörden mehr möglich

Bislang konnten die Strafverfolgungsbehörden trotzdem auf die Inhalte zugreifen, nämlich wenn die User die Mitteilungen, Fotos und andere Inhalte in einem Backup im Onlinespeicher iCloud gesichert hatten. Dort liegen sie bislang unverschlüsselt und konnten so auch mit einer gerichtlichen Genehmigung an die Behörden weitergereicht werden. Das wäre künftig nicht mehr möglich.
Apple verwies darauf, dass die Bedrohungen für Nutzerdaten immer raffinierter und komplexer würden. Daher führe man diese zusätzliche Schutzmassnahme ein. Der Dienst soll zunächst Kundinnen und Kunden in den USA zur Verfügung stehen, dann aber 2023 weltweit aufgerollt werden, auch in China.
Sumon Dantiki, ein ehemaliger hochrangiger Beamter des FBI und des US-Justizministeriums, sagte dem 'Wall Street Journal', diese Entwicklung werde im In- und Ausland Fragen aufwerfen. "Zum Beispiel die Frage, ob die chinesische Regierung den Verlust des Datenzugriffs wirklich akzeptieren wird", so Dantiki.

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