Wie
die 'Republik' berichtet, hat der Armeechef Thomas Süssli Mitte September einen Brief an die Bundeskanzlei geschickt, in dem er sich kritisch zum Einsatz von M365 bei der Armee äussert. Die 'Republik' hat auf der Grundlage des Öffentlichkeitsgesetzes Einblick in den Brief erhalten und ihn
in voller Länge publiziert (PDF).
Im Vergleich zur bisherigen Softwarelösung biete M365 für die Gruppe Verteidigung keinen Mehrwert, schrieb Süssli an Daniel Markwalder, den Leiter des Bereichs Digitale Transformation bei der Bundeskanzlei. Im Gegenteil, in der aktuellen Konfiguration sei die Cloud-basierte Lösung für die Armee zum grossen Teil gar nicht nutzbar.
Dabei geht es um die Einsatzrichtlinien des Bundes für M365 beziehungsweise die Klassifizierung von Dokumenten. Als geheim oder vertraulich klassifizierte Dokumente dürfen aber laut der Weisung nicht in M365 gespeichert und bearbeitet werden. Der Grossteil der militärischen Dokumente seien jedoch klassifiziert, was die Anwendung entscheidend einschränke.
Diesem stark reduzierten Nutzen stehen laut Süssli die höheren Kosten von rund 4,6 Millionen Franken sowie der grosse Aufwand für Schulungen gegenüber. Angesichts des finanziellen Drucks auf die Armee könne er diese "Aufwendungen ohne erkennbaren Nutzen nicht verantworten." Er fordert deshalb von der Bundeskanzlei die Prüfung einer privaten Cloud-Lösung für "Intern" und höher klassifizierte Dokumente der Gruppe Verteidigung. Gleichzeitig solle ein Konzept für eine Büroautomation für sensitive Nutzer erarbeitet werden, welches den notwendigen Personenschutz gewährleiste und gleichzeitig die Kollaboration innerhalb der Gruppe Verteidigung zulasse.
Weder der Armeechef noch die Bundeskanzlei wollten gegenüber der 'Republik' eine Stellungnahme zum Inhalt des Briefes abgeben.