Der Ausbildungsbetrieb Bict am Berner Zentweg stellt seinen Betrieb im September ein. Bict wurde vor 25 Jahren als Berufsbildung für Informations- und Kommunikationstechnologie AG gegründet. Rund 120 Jugendliche, die derzeit eine Ausbildung in Informatik oder Mediamatik absolvieren, müssen deshalb neue Ausbildungsplätze finden, wie die '
Berner Zeitung' (Paywall) berichtete.
Der Kanton Bern habe inzwischen gemeinsam mit der Bict und Ausbildungspartnern einen runden Tisch durchgeführt. Dabei seien mögliche Lösungen für die betroffenen Lernenden diskutiert worden, wie aus einem Schreiben, das der Zeitung vorliegt, hervorgeht.
Finanzielle Schwierigkeiten
Nach Angaben von Bict-Gründer Armin Wyss befindet sich das Unternehmen "in einer finanziell sehr schwierigen Situation ohne Aussicht auf Besserung". Die Bict zahle unter anderem noch einen Covid-Kredit aus der Pandemiezeit ab. Zudem sei die Nachfrage nach IT-Fachkräften in der Region Bern zurückgegangen. Wyss nennt gegenüber der Zeitung auch den zunehmenden Einsatz von KI sowie Sparmassnahmen bei der Post und beim Bund als Faktoren.
Die Post weist diese Darstellung allerdings zurück. In einer Stellungnahme gegenüber dem Nachrichtenportal '
Nau.ch' erklärt das Unternehmen, die Aussage, wonach die Post die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bict mitverursacht habe, sei falsch. Die Post habe "keinerlei Einfluss auf die finanzielle Situation beim Bict". Gleichzeitig beteiligt sich die Post laut eigener Aussage an der Suche nach Lösungen für die Lernenden und war bei den Gesprächen mit dem Kanton Bern dabei.
Kanton plant keine Rettung
Eine Sanierung der Bict durch den Kanton stehe derweil nicht zur Diskussion. Die Bildungs- und Kulturdirektion (BKD) bestätigt gegenüber dem Nachrichtenportal, dass an einem ersten runden Tisch die Unterstützungsmöglichkeiten der Beteiligten und die nächsten Schritte besprochen wurden. Eine Vereinbarung zwischen dem Kanton und der Bict gebe es jedoch nicht. Eine Sanierung eines Unternehmens durch den Kanton sei gemäss Wirtschaftsförderungsgesetz ausdrücklich ausgeschlossen.
Im Vordergrund stünden deshalb Lösungen ausserhalb der bisherigen Bict-Strukturen. Zuständig für Massnahmen bei der Schliessung eines Lehrbetriebs ist das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA).
Neue Ausbildungsplätze gesucht
Die Bict bildete Lernende während der ersten beiden Lehrjahre selbst aus. Danach wechselten sie entweder in einen Lehrbetrieb oder absolvierten ein Praktikum in einem Unternehmen, das selbst keine Lehrlinge ausbildet. Die Lehrbetriebe und Praktikumsanbieter finanzierten die ersten beiden Ausbildungsjahre bei der Bict.
Für die betroffenen Jugendlichen würden nun entsprechende Anschlusslösungen gesucht. Unternehmen aus den Bereichen Informatik und Mediamatik sollen insbesondere Lernende im dritten und vierten Lehrjahr übernehmen und ihnen ermöglichen, ihre Ausbildung fortzusetzen.
Auch für die jüngeren Jahrgänge zeichnen sich laut Wyss erste Lösungsansätze ab. Ein weiterer runder Tisch soll Ende August stattfinden. Im September sollen die Lernenden und ihre Eltern an einer Informationsveranstaltung über die konkreten Lösungen informiert werden.