BFS verzeichnet 50% mehr arbeitslose Informatiker als im Vorjahr

14. November 2023 um 13:21
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Foto: Unsplash+

Laut Bundesamt für Statistik sind die IT-Arbeitslosenzahlen im Herbst massiv gestiegen. Eine Einordnung mit Nachfrage beim Verband SwissICT und dem Personaldienstleister Adecco.

Von der Pandemie abgesehen, ist die Arbeitslosenstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) in der Regel eher einschläfernd als aufregend: Die Zahlen in der Informatik verändern sich meist im tiefen einstelligen Bereich. Nicht aber dieses Mal: Im Jahresvergleich ist die Arbeitslosigkeit unter Informatikerinnen und Informatikern um über 50% höher als im Oktober 2022.
Demnach sind über 2600 Informatikerinnen und Informatiker arbeitslos – 885 mehr als im Vorjahr. Es ist die stärkste Zunahme aller Berufe, die das Statistikamt erfasst. Das verlangt nach einer Einordnung.
Man müsse erstmal zwischen Arbeitslosen und Arbeitssuchenden unterscheiden, sagt Christian Hunziker, Geschäftsführer von SwissICT. Als zweiteres gilt, wer sich nach einer Kündigung beim regionalen Arbeitsvermittlungsamt (RAV) angemeldet hat, derzeit aber noch eine Arbeit innehat. Der ICT-Verband erhält jeweils die ausdifferenzierten Zahlen des BFS.
Leider sei nicht ersichtlich, wer gekündigt habe und wem gekündigt wurde, sagt Hunziker, das wäre entscheidend, um die Gründe für die Entwicklung zu verstehen: Zum einen könne sich der Nachholbedarf an Digitalisierung abgeschwächt haben, zum anderen hätten aber auch Arbeitnehmende erkannt, dass sich der Arbeitsmarkt zu ihren Gunsten entwickelt habe. Sie könnten aus eigenem Antrieb eine attraktivere Stelle suchen.

Inflation, unsichere Lage, schwächelnde Konjunktur

Aber Hunziker sagt auch: "Die gesamte Wirtschaftssituation verlangsamte sich im 2023 wieder etwas und der Digitalisierungsnotstand wurde von den Firmen weniger wichtig eingeschätzt." Zweiteres sei eine Fehleinschätzung der Firmen, so der SwissICT-Geschäftsführer.
Den Trend bestätigt die Adecco Gruppe Schweiz: "Der sich abkühlende Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte manifestiert sich nicht nur in den steigenden Arbeitslosenzahlen, sondern auch in einem Rückgang der Stellenausschreibungen für diese Fachkräfte." Etwa bei Entwicklerinnen und Analytikern im Bereich Software und IT-Anwendungen habe die Nachfrage nachgelassen, wie der Stellenmarkt-Monitor der Universität Zürich zeige, den der Personaldienstleister veröffentlicht.

Weiterhin Mangel an Fachkräften zu beobachten

Eine spezifische Ursache für eine Trendwende sei aber nicht zu erkennen. Stattdessen gebe es einen bunten Strauss an Gründen: Die Inflation und steigende Zinsen erhöhten die Kosten für IT-Investitionen, geopolitische Unsicherheiten und eine schwächelnde Konjunktur sorgten für Zurückhaltung bei grösseren IT-Investitionen. "Zusätzlich waren viele Unternehmen in der Pandemiezeit gezwungen, in ihre IT-Infrastruktur zu investieren, um betriebliche Aktivitäten trotz einschränkender Massnahmen fortzusetzen", heisst es von Adecco Schweiz.
Eine Entwarnung für den Fachkräftemangel gibt es aber nicht. "Trotz der aktuellen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin ein anhaltender Mangel an qualifizierten IT-Fachkräften zu beobachten", so der Personaldienstleister. Eine Einschätzung, die auch SwissICT-Geschäftsführer Hunziker unterstreicht.
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