Bieler Informatik-Projekt hat angeblich eine halbe Million in den Sand gesetzt

11. Juli 2022, 10:01
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Das von Architekt Alain G. Tschumi gebaute Berufsbildungszentrum Biel. Foto: Céline Köppel, 2019 / HSLU – Technik & Architektur

Laut einem Bericht hat das Berufsbildungszentrum Biel ein IT-Grossprojekt unvermittelt gestoppt. Beteiligte Informatiker erheben schwere Vorwürfe.

Ein Informatik-Projekt am Berufsbildungszentrum Biel (BBZ) sei unvermittelt gestoppt worden, obwohl es bis dahin schon fast eine halbe Million Franken verschlungen habe. Dies geht aus einem Bericht des 'Bieler Tagblatts' (Printausgabe) hervor. Allgemein würde es in der IT-Abteilung grössere Probleme geben. Diese soll demnächst geschlossen werden. Ab dem Schuljahr 2023 sollen die entsprechenden Services durch das Angebot "EduBern" der kantonalen Abteilung Informatikdienste im Amt für zentrale Dienste der Bildungs- und Kulturdirektion Bern erbracht werden.
Die Zeitung beruft sich dabei auf Aussagen von 2 Informatikern, die für das Zentrum tätig sind. Eine fest angestellte IT-Person, die zurzeit wegen eines Burn-outs krankgeschrieben ist, wirft der Berufsschule "gravierende Missstände" vor. Im IT-Team von 7 Angestellten habe es seit längerem an einer klaren Führung gefehlt. Auszubildende seien alleingelassen worden, "und weit hinter dem erwarteten Ausbildungsniveau zurückgelegen", so der ITler zum 'Bieler Tagblatt'. Ausserdem sei das Informatik-Budget "jedes Jahr überzogen worden".
Es habe eine konkrete Strategie gefehlt, obwohl die BBZ-Direktion regelmässig auf die Probleme aufmerksam gemacht worden sei. "Wir verrichten eigentlich immer Feuerwehrarbeiten, akute Problemlösung statt Analyse, was schiefläuft", so der Angestellte.

Netzwerk-Projekt auf "halbem Weg" gestoppt

Ein weiterer Mitarbeiter erhebt ähnliche Vorwürfe. Er erklärt ausserdem, unter der Leitung der neuen BBZ Direktorin Katharina Mertens sei ab Sommer 2021 "ein Grossprojekt" gestartet worden, mit dem die Netzwerkinfrastruktur erneuert werden sollte. "Doch dieses Projekt ist von ihr im Februar 2022 auf halbem Weg gestoppt worden", so der Mitarbeiter zur Zeitung.
Beide Quellen sagen: "Wir gehen davon aus, dass insgesamt bis zu einer halben Millionen Franken vergeudet worden sind und das auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler." Am BBZ sei Material bestellt worden, das nie verbaut wurde, und alles, was neu installiert worden sei, müsse nun mit der Übergabe der IT-Services an EduBern wieder ersetzt werden. Die Direktorin habe dem IT-Team zuerst auch versprochen, dass es nach der Auslagerung in Bern weiter beschäftigt werde, was aber nicht zutreffe.

Auch bei den Lehrpersonen gärt es

Der Sprecher der Bildungs- und Kulturdirektion Kanton Bern sagte zu den Vorwürfen gegenüber dem 'Bieler Tagblatt': "Das BBZ hat eine komplexe Ausbildungsstruktur mit mehreren Standorten und Berufen mit zunehmend erhöhten Anforderungen an das Informatiksystem der Schule. Die Situation in der Informatik am BBZ ist dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt bekannt." Das Informatikteam des BBZ hätte die Möglichkeit gehabt, die Situation zu verbessern. "Weil die Mängel nicht befriedigend behoben werden konnten, hat das Mittelschul- und Berufsbildungsamt der Direktorin empfohlen, einen Systemwechsel zu prüfen. Dieser Empfehlung ist die Direktorin nachgekommen."
Am BBZ scheint es laut dem Zeitungsbericht auch sonst zu gären. Es herrsche eine schlechte Stimmung, es sei zu zahlreichen Abgängen von Fach- und Lehrpersonen gekommen. "Viele Lehrpersonen sind frustriert, misstrauisch und verunsichert. Wir haben den Eindruck, dass das BBZ wie ein Kartenhaus zusammenbricht", hätte ein Teil der Lehrerschaft Ende April an das Mittelschul- und Berufsbildungsamt in Bern geschrieben. Die Kommunikation am Zentrum sei mangelhaft und intransparent.

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