Blaulicht, ÖV, Velos: Für sie will Zürich die Verkehrssteuerung optimieren

8. Februar 2024 um 13:11
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Foto: Emilie Farris / Unsplash

Die Stadt beschafft einen "Digitalen Zwilling Verkehrsmanagement" zur Verbesserung des Verkehrsflusses. Drei Anbieter sind dafür im Rennen.

Die Dienstabteilung Verkehr hat die Beschaffung "Digitaler Zwilling Verkehrsmanagement" gestartet, die eine lange Vorgeschichte hat. Sie geht auf eine GLP-Motion im Gemeinderat von Ende 2018 zurück. Diese forderte vom Stadtrat, dem Gemeinderat eine kreditschaffende Weisung vorzulegen für eine digitale Transformation der Verkehrslenkung. Ende 2022 erfolgte ein entsprechender Stadtratsbeschluss.
Die Motion stimme mit der Strategie der Dienstabteilung Verkehr überein, so der Stadtrat. Mit dem Ziel einer noch intelligenteren Verkehrssteuerung soll ein Prozess lanciert werden. Dieser beinhalte Verkehrsanalysen und -simulationen der nächsten Generation sowie eine massgeschneiderte Steuerung für ausgewählte städtische Verkehrsarten. Mit datenbasierter Echtzeitvorhersage und automatisierter Verkehrssimulation könne die Dienstabteilung eine neue Qualität der Verkehrsanalysen erreichen.

Lichtsignale werden in Echtzeit gesteuert

Die Stadt Zürich optimiere ihren Verkehrsfluss durch den Einsatz von acht zentralen Verkehrsrechnern der Firma Bergauer, schreibt die Medienstelle auf unsere Anfrage. "Diese steuern in Echtzeit rund 400 Lichtsignalanlagen (LSA) der Firmen Yunex und Bergauer mithilfe einer Signalgruppensteuerung. Die verkehrstechnische Steuerung erfolgt auf der Grundlage eines prozeduralen Verfahrens. Zusätzlich dazu ist eine adaptive Steuerung (Polydrom) implementiert, die basierend auf Stauwurzeln ausgewählte Streckenabschnitte fördert oder dosiert." Der Verkehrsrechner wurde im Jahr 2015 erneuert. Die 400 LSA werden bis Ende 2024 ausgewechselt.
Die Verkehrsrechner seien in der Lage, dank offener Schnittstellen Daten in Echtzeit mit Drittsystemen wie Tunnelsteuerungen oder Systemen von Partnerorganisationen auszutauschen. "Der modulare Aufbau dieser Systeme ermöglicht die kontinuierliche Weiterentwicklung und Erweiterung, wie es durch die aktuelle Beschaffung des digitalen Zwillings verdeutlicht wird", erklärt die Medienstelle.

Erste Priorität hat Schutz & Rettung

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Hardbrücke in Zürich. Foto: Daniel R / Unsplash
Der digitale Zwilling soll ermöglichen, das Verkehrsmanagement, "welches derzeit oft reaktiv ist, in ein proaktives Verkehrsmanagement zu überführen und Planungen für voraussehbare Verkehrssituationen unterstützen", heisst es in den Ausschreibungsunterlagen. Das System soll die Verkehrsmenge, die Verkehrsdichte, den Verkehrsfluss und die Geschwindigkeit darstellen. "Eine optionale spätere öffentlich zugängliche Anzeige der Verkehrslage ist vorzusehen." Mögliche Szenarien wie Baustellen oder Grossanlässe sollen mittels Prognose offline und potenzielle Massnahmen für bis zu einer Stunde in die Zukunft online evaluiert werden können.
Der Stadtrat will in den nächsten Jahren ein "smartes Zürcher Modell" umsetzen. "Die Algorithmen und Applikationen zur Schaffung der Grün-Korridore sollen stufenweise eingeführt werden. Auch dazu ist ein Submissionsverfahren vorgesehen." Erste Priorität habe Schutz & Rettung: Ab 2025 soll das System im Rahmen eines Pilotbetriebs gestartet werden, ab 2026 ist der definitive Einsatz vorgesehen. Ab 2026 folge die Einführung für Velofahrende und die VBZ.
Zahlen und Fakten zum Zürcher Verkehr
  • Zürcherinnen und Zürcher sind im Schnitt 82 Minuten pro Tag unterwegs und legen dabei eine mittlere Distanz von 29 Kilometern zurück
  • 150 Kilometer Radwege mit 14'500 Velopiktogrammen
  • 4000 Fussgängerstreifen
  • Verkehrssteuerung: 6000 Ampeln an 400 Kreuzungen und 5100 Detektoren
  • VBZ: 258 Schienenfahrzeuge, 255 Busse, 268 Millionen Fahrgäste (Einsteigende)
  • Schutz & Rettung: 230 Fahrzeuge, 41'100 Einsätze Rettungsdienst, 5600 Einsätze Feuerwehr (2023)

Grün-Korridore für die Velofahrenden

"Vor allem der spürbar zunehmende und verkehrspolitisch wichtige Veloverkehr konnte bisher in der Verkehrssteuerung nur punktuell behandelt werden", schreibt der Stadtrat. Es gelte, ausgewählte Verkehrsarten besser zu steuern und damit vor allem das Velo explizit in der Verkehrssteuerung zu berücksichtigen. Mittels "dynamischer Grün-Korridore" könnten ausgewählte Routen priorisiert behandelt werden. Der Grün-Korridor für Velofahrende soll vor allem auf den städtischen Velo-Vorzugsrouten zur Anwendung kommen.
Mit der Umsetzung der neuen digitalen Ansätze beschreite die Stadt neue Wege. "Ganz im Sinne des lernenden Systems bieten sich insbesondere bei massgeschneiderten Lösungen weitere Potenziale." Höchste Priorität für die Weiterentwicklung habe das Velo beziehungsweise die Implementation der Velovorzugsrouten. Gemäss aktueller Planung sei für die Umsetzung der App-basierten Grün-Korridore mit Investitionen von etwa 3,5 bis 4 Millionen Franken zu rechnen.

Mögliche Einbindung von Google Maps und Navis

Für den digitalen Zwilling sieht die Dienstabteilung Verkehr auch eine mögliche Einbindung von Drittanbietern vor. "Der digitale Zwilling soll die Möglichkeit für eine Kommunikation zu privaten Informationsplattformen (Google, Waze, Tomtom usw.) offenhalten."
Die Beschaffung erfolgt im selektiven Verfahren. Nach einer ersten Runde sind drei Unternehmen zur Angebotsabgabe eingeladen worden: das ETH-Spinoff Transcality aus Zürich, Gevas Software aus München und PTV Planung Transport Verkehr aus Karlsruhe. Sie können ihre Angebote bis Oktober 2024 einreichen. Im Januar 2025 soll der Zuschlag erfolgen, der Abschluss der Integration ins Verkersmanagement ist für das 2. Quartal 2025 geplant.
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