Das Bundesamt für Justiz (BJ) ist auf der Suche nach einer neuen Chefin oder einem neuen Chef E-ID. Wie das Bundesamt auf Anfrage von inside-it.ch ausführt, geht der bisherige Stelleninhaber Urs Paul Holenstein nächstes Jahr in Pension. Deshalb wurde die Stelle in dieser Woche öffentlich ausgeschrieben.
Laut Stelleninserat gehören zu den Aufgaben der gesuchten Person unter anderem die Leitung des Fachbereichs, die Verantwortung des Betriebs und der Weiterentwicklung der Vertrauensinfrastruktur für die elektronische Identität sowie die Weiterentwicklung der Gesetzesgrundlagen und Ausführungsbestimmungen zur E-ID. Ausserdem soll die Person Anforderungen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft beurteilen und deren Umsetzung steuern.
Der neue Chef oder die neue Chefin werde per 1. Juli 2027 die Führung des Fachbereichs E-ID übernehmen, erklärt die BJ-Medienstelle. Der Fachbereich umfasse aktuell 12 Mitarbeitende. "Dieser Wechsel hat keinen Einfluss auf das E-ID-Projekt und das bestehende Team. Der Führungswechsel ist so geplant, dass ein fundierte Einführung der Nachfolge durch den aktuellen Stelleninhaber sichergestellt werden kann", betont die Medienstelle.
Vertrauensinfrastruktur im ersten Halbjahr 2027
Zum aktuellen Stand der E-ID heisst es vom BJ: "Die Entwicklung der für den Betrieb der E-ID notwendigen Infrastruktur ist weit fortgeschritten und wird seit mehr als einem Jahr von Behörden und Privaten in einer Testumgebung erfolgreich ausprobiert – bisher Public Beta, neu Swiyu Sandbox." Deshalb werde die Infrastruktur ihren Betrieb voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 unabhängig von der Einführung der E-ID aufnehmen können.
Das Bundesamt verweist weiter auf die neuesten Entwicklungen im Bereich KI, welche zusätzliche Herausforderungen für die Erstellung einer E-ID mit sich bringen. Deshalb habe das BJ entschieden, die Sicherheit beim Online-Ausstellungsprozess weiter zu erhöhen. Die erforderlichen Anpassungen würden jedoch Zeit in Anspruch nehmen.
Wie seit Juni bekannt, wurde deshalb die Einführung der E-ID erneut verschoben.
Vorschlag der "E-ID to Go"
"Die Auswirkungen auf den Ressourcenbedarf werden derzeit ermittelt. Dies beinhaltet auch die Planung der Einführung, weshalb Fragen dazu im Moment nicht im Detail beantwortet werden können", so die Medienstelle. Das genaue Datum für die Einführung der E-ID werde bekannt gegeben, sobald die Arbeiten betreffend der erforderlichen Anpassungen weitgehend abgeschlossen sind.
Vor kurzem haben Sandro Scalco und Daniel Graf, die sich beide im partizipativen Prozess der Bundeskanzlei zur E-ID einbringen, ein Arbeitspapier veröffentlicht. Darin fordern sie
die Einführung einer "E-ID to Go" – einer abgespeckten Variante, bis die vollständige E-ID vorliegt. Diese soll eine einfache und datensparsame Altersprüfung ermöglichen, beispielsweise im Online-Shop oder an der Ladenkasse. Auch Digitalswitzerland und Nationalrat Gerhard Andrey zeigten sich gegenüber inside-it.ch offen für diese Idee.