Cargo Sous Terrain: IT des Projekts soll mindestens 100 Millionen kosten

3. Juni 2022, 14:50
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Visualisierung von der Website des Projekts Cargo Sous Terrain.

Das 30-Milliarden-Vorhaben geht in die nächste Phase. Wir haben mit dem Informatik-Chef über das riesige Logistikunterfangen gesprochen.

Es ist ein hochambitioniertes Ansinnen: Mit Cargo Sous Terrain (CST) soll für über 30 Milliarden Franken ein unterirdisches Transportnetz für Waren quer durch die Schweiz entstehen. Nun nimmt das Projekt einen wichtigen Schritt: Nachdem das nationale Parlament Ende 2021 die gesetzlichen Grundlagen geschaffen hat, werden Bewilligungsverfahren für eine erste Teilstrecke vorbereitet und Standorte für 10 Anschlussstellen entlang der Strecke evaluiert. Dieser Teil der Infrastruktur soll rund 3 Milliarden Franken kosten, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist.
Viel mehr als Konzepte, Visualisierungen und Absichtserklärungen gibt es von Cargo Sous Terrain, dessen Vorarbeiten bereits 2010 mit einem technischen Grundkonzept von Migros und Manor angestossen wurden, noch nicht. Man beginne nun aber mit der Umsetzung, heisst es in der Mitteilung: "In den Kantonen Aargau, Solothurn und Zürich beginnen Ende 2022 die Richtplanverfahren, welche die Voraussetzung für Cargo Sous Terrain bilden." Die erste Teilstrecke soll von Härkingen zum Flughafen Zürich führen.
Parallel zur Vorbereitung der Strecke wird eine Ausweitung des Netzes geprüft: Bislang war dieses zwischen Bodensee und Genfersee mit Ausläufern nach Basel, Luzern und Thun geplant. Nun könnten weitere Gebiete der Ostschweiz erschlossen werden, wie eine Analyse von CST zeigt.

Hochkarätige Techfirmen im Aktionariat


Das System soll sich ab 2045 über rund 500 Kilometer ausbreiten und aus 3 Teilen bestehen: Dreispurige Tunnels mit autonomen Transportcontainern in 20 bis 100 Metern Tiefe, Logistikzentren an Knotenpunkten und in der Nähe von Städten sowie eine automatische Steuerung. Innovativ soll insbesondere die digitale Steuerung sein, die Waren zusammenstellt und deren Transport organisiert. In den "Hubs" will das Team ein voll automatisiertes Beladen und Entladen der Fahrzeuge ermöglichen. Auch unter der Erde sollen diese selbstfahrend und in ständigem Fluss verkehren.
Das braucht sehr viel Hard- und Software. Die Entwicklung einer IT-Infrastruktur sei für das Projekt zentral, heisst es denn auch auf der Website von Cargo Sous Terrain. Im Aktionariat finden sich dafür einige potentielle Helfer: Zu den über drei Dutzend Hauptaktionären zählen SAP, Siemens, Swisscom und das kalifornische High-Tech-Startup Hyperloop One. Weitere Aktionäre sind die AWK Gruppe und Q_Perior. Zu den Partnern zählen der Verband Asut und der Smart City Hub.
Das IT-System werde derzeit aber primär intern konzipiert und entwickelt, erklärt Philipp Noser auf unsere Anfrage. Der ehemalige BKW-Manager ist seit rund 3 Jahren für die Informatik bei Cargo Sous Terrain verantwortlich. In einem Telefongespräch präzisiert er, dass er unter anderem von den genannten Aktionären Unterstützung erhalte, aber für die Citylogistik auch eine Cloud-Software eingekauft habe. "Noch haben wir keinen eigenen IT-Betrieb, darum mussten wir auf eine Saas-Lösung setzen", sagt Noser.
Denn in der Stadt Zürich wird ab Herbst 2022 ein Pilotversuch mit sogenannten "Salüboxen" durchgeführt, bei denen Pakete deponiert und abgeholt werden können. Diese werden in Kooperation von CST und der Stadt Zürich entwickelt. Sie sollen später ins Citylogistik-System integriert werden und den Paketlieferverkehr in der Stadt reduzieren.
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Philipp Noser ist seit August 2019 Projektleiter Digitization & IT bei Cargo Sous Terrain. Foto: Cargo Sous Terrain

Cargo Sous Terrain soll ein "Internet of Logistik" beinhalten

Schlussendlich könnte die IT des Systems einen tiefen dreistelligen Millionen Franken-Betrag kosten, hat Noser berechnet. Denn auch hier sind die Ziele ambitioniert: Man wolle ein "Internet of Logistik" aufbauen, sagt Noser. Dazu zählen ein Leitsystem, ein ERP, eine Logistiksteuerung, ein digitales Planungssystem, Analytics und eine Art "E-Commerce", das tief in die Kernsysteme der grossen Stakeholder, namentlich Migros, Coop und Post, integriert werden muss.
Derzeit stemmt Noser die Aufgaben intern allein. Das Team soll aber dieses und nächstes Jahr auf mehrere Mitarbeitende ausgebaut werden. Noch ist vieles auf Konzeptebene angesiedelt, da für die Zulassungen genaue Vorschläge definiert werden müssen, wie IT-Leiter Noser sagt. Die Dokumente dazu sind noch intern, die Roadmap steht aber bereits und ist an der physischen Infrastruktur orientiert. Wenn 2031 die erste Teilstrecke eröffnet werden soll, muss der Kern des IT-Systems stehen.

Bund bezweifelt die berechneten Potentiale des Projekts

Die CST-Trägergesellschaft rechnet damit, dass dank des Systems schweizweit bis zu 40% des Schwerverkehrs auf den Strassen reduziert werden kann. Das privatwirtschaftliche Projekt soll ohne Subventionen auskommen und wird getragen von einer Aktiengesellschaft, die sich aus rund 80 Firmen zusammensetzt. Es hat sich zudem quer durch die Politik-Landschaft prominente Unterstützung geholt. Bei linken Parteien konnte auch mit der Ökobilanz und der Verringerung des Strassenverkehrs geworben werden.
In der Botschaft des Bundesrates zum Ende 2021 angenommenen Gesetz über den unterirdischen Gütertransport definiert dieser das CST als subsidiäres System zum heutigen Transportsystem. Der Nutzen falle vor allem für die Logistikindustrie und die Baubranche ins Gewicht. Zwar sei die Machbarkeitsstudie von hoher methodischer Qualität, aber die dort erwarteten Potentiale für die Reduktion der Emissionen und des Verkehrs veranschlagt eine Expertengruppe des Bundes deutlich tiefer. Auch hänge der tatsächliche Effekt stark von der Akzeptanz in der Transportbranche ab und wie diese ihre Praxis anpasse, so der Bericht.

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