ChatGPT wird zum Chemiker

7. Februar 2024 um 14:36
image
Foto: Unsplash+

Forschende der EPFL haben dem Sprachmodell GPT-3 ein Update verpasst. Dank eines Fragebogens kann der Chatbot jetzt auch in der Chemie eingesetzt werden.

Forscherinnen und Forscher der EPFL Lausanne haben ChatGPT für die chemische Forschung aufgepeppt. "Das wird die Art und Weise, wie wir Chemie betreiben, verändern", sagt EPFL-Forscher Berend Smit in einer Mitteilung der Hochschule. Zusammen mit seinem Team hat er das Sprach­modell GPT-3, das die Grundlage für den Chatbot ChatGPT bildet, mit einer Art Fragebogen ausgetrickst.
Wie das genau funktioniert, zeigen die Forschenden in einer Studie, die in der Fachzeitschrift 'Nature Machine Intelligence' veröffentlicht wurde. In seiner normalen Form taugt GPT-3 nicht für die chemische Forschung, wie Smit erklärt. Es kennt einen grossen Teil der wissenschaftlichen Literatur zur Chemie nicht. Wenn man ihm Fragen stellt, sind die Antworten in der Regel auf das beschränkt, was man auf Wikipedia finden kann.

95% Trefferquote

Die Forschenden der EPFL fügten dem Sprachmodell deshalb einen kleinen Datensatz an. Dies, indem sie der KI die Daten als eine Art Fragebogen mit Antworten fütterten. "Bei Legierungen mit hoher Entropie ist es zum Beispiel wichtig zu wissen, ob eine Legierung eine oder mehrere Phasen hat", erklärt Smit in der Mitteilung.
Um GPT-3 diese Information beizubringen, stellten sie also die Frage, "Besteht die <Name der Hochentropie-Legierung> aus einer einzigen Phase?", gefolgt von der Antwort Ja oder Nein. Während der Tests beantwortete das trainierte KI-Modell über 95% der unterschiedlichsten chemischen Probleme richtig. Damit übertraf es die Genauigkeit anderer hochmoderner KI-Modelle und war gleichzeitig auch schneller.
Herkömmliche Modelle für maschinelles Lernen erfordern monatelange Entwicklungsarbeiten und umfangreiche Kenntnisse. Im Gegensatz dazu dauert der neue Ansatz der EPFL nur fünf Minuten, wie die Hochschule in ihrer Mitteilung schreibt. In Zukunft könnten die KI-Modelle so zum Start eines Forschungsprojekts konsultiert werden, um das kollektive Wissen, das darin programmiert ist, zu nutzen.

Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

No-Code-Testplattform sammelt 1,3 Millionen Franken

Das Dietliker Startup Progile hat für die Weiterentwicklung seiner Plattform Testresults.io eine Finanzierungsrunde abgeschlossen.

publiziert am 16.4.2024
image

Erstes deutsches Bundesland setzt einen KI-Beirat ein

In Sachsen soll sich ein Beirat für digitale Ethik mit dem Einsatz von KI befassen. Ein solcher sei "dringend notwendig", so die Landesregierung.

publiziert am 15.4.2024
image

Fotokite sammelt 10 Millionen Franken

Das schweizerisch-amerikanische Unternehmen stellt Drohnen für Ersthelfer her und möchte expandieren.

publiziert am 15.4.2024
image

Coop setzt auf KI und neue SAP-Lösung

Eine zusammen mit SAP entwickelte Warenversorgungs-Lösung wird gerade ausgerollt. Eine eigene KI für Mitarbeitende ist ebenfalls geplant.

publiziert am 12.4.2024