"Wenn wir den digitalen Raum den globalen Tech-Firmen überlassen, verlieren wir ein Stück demokratische Öffentlichkeit", sagte SRG-Generaldirektorin Susanne Wille in einem Interview mit der 'NZZ am Sonntag'. Deshalb müssten der Schweizer Medienplatz und die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft gegensteuern. "Dies, indem wir unabhängige digitale Plattformen schaffen und den Service public neu denken."
Die Mitarbeitenden der SRG-Sender würden KI im Arbeitsalltag verwenden. "Es ist doch ganz selbstverständlich, dass wir KI-Tools nutzen, um in der Buchhaltung oder in der Produktion effizienter zu werden", sagte Wille der
'NZZaS' (Paywall). Als viersprachiges Medienhaus experimentiere SRG zum Beispiel mit KI-unterstützten Übersetzungen. "Strategisch entscheidender ist die Frage: Was können wir mit KI tun, was wir bis jetzt nicht konnten? Wo können wir uns für das Publikum stärken?", so Wille.
Unkontrollierten Datenabfluss nicht mehr tolerieren
Die SRG-Chefin kündigte auch an, KI-Bots stärker blockieren zu wollen: "Wir müssen unsere Unabhängigkeit verteidigen. Deshalb haben wir in der Geschäftsleitung entschieden, den unkontrollierten Datenabfluss nicht mehr länger zu tolerieren." Seit diesem Monat würden Trainingsbots und Crawler der grossen KI-Unternehmen abgewiesen, "wenn sie bei unseren Webseiten vorbeikommen". Ziel sei jedoch nicht eine Abschottung, sondern dass mit den Tech-Plattformen Bedingungen verhandelt werden können.
Gleichzeitig möchte die SRG den Schweizer Standort stärken. Die Gesellschaft wolle beispielsweise ihre Daten künftig dem Schweizer KI-Modell Apertus zur Verfügung stellen. "Deswegen sind wir gerade in Gesprächen mit der ETH Zürich und der EPFL, die Apertus entwickeln. Das SRG-Archiv ist der grösste audiovisuelle Datensatz unseres Landes. Es gehört den Schweizerinnen und Schweizern, sie haben es finanziert. Und es gehört in ein transparentes, schweizerisches Umfeld", sagte Wille. Apertus hat erst kürzlich mit der Version 1.5 ein
erstes signifikantes Update erhalten.
Datensatz für Apertus "sehr wertvoll"
Imanol Schlag, der Apertus-Chefentwickler der ETH Zürich, bezeichnete gegenüber der Zeitung diese geplante Übernahme als "sehr wertvoll". Dies vor allem wegen des gewonnenen Audiomaterials. Apertus werde damit alle Schweizer Landessprachen und Dialekte verarbeiten können. Zudem sei das SRG-Archiv auch wegen der langjährigen, journalistisch geprüften Auseinandersetzung mit der Schweiz wertvoll.
"Genau solche Daten fehlen heute in praktisch allen KI-Modellen", erklärte Schlag. Damit könne Apertus nicht zuletzt für Schweizer Nutzerinnen und Nutzer attraktiver werden. Aktuell würden die SRG und die Hochschulen noch rechtliche Fragen prüfen, anschliessend könnte die Implementierung des Archivs für das KI-Training laut Schlag innert Monaten erfolgen.