Seit der offiziellen Lancierung im September 2025 wurden am Schweizer KI-Modell Apertus zunächst einige kleine Verbesserungen vorgenommen. Das
mehrsprachige Open-Source-Modell soll ein besonderes Augenmerk auf Datenintegrität und ethische Standards legen sowie die Schweizer Datenschutzgesetze, das Schweizer Urheberrecht und die Transparenzanforderungen der EU-KI-Verordnung berücksichtigen. Entwickelt wird es von den beiden Hochschulen ETH Zürich und EPFL in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Nationalen Supercomputing-Zentrum (CSCS). Dort wird das Modell auf
dem Supercomputer Alps in Lugano trainiert.
Mit der Version 1.5 hat Apertus jetzt ein erstes signifikantes Update erhalten. Anstatt ein völlig neues Modell einzuführen, berücksichtigt
Apertus 1.5 laut Mitteilung das Feedback der ersten Version. Dazu kommen neue Funktionen: "Besonders hervorzuheben ist, dass das Modell nun neben Text auch Bilder und Audio verarbeiten kann, wodurch sich ein breiteres Anwendungsspektrum eröffnet. Zudem bietet es verbesserte Schlussfolgerungen, eine präzisere Befolgung von Anweisungen und eine optimierte Unterstützung bei der Werkzeugnutzung."
Nutzende hatten kritisiert, dass die KI zum Teil falsche Antworten beziehungsweise stark veraltete Daten ausgab. Im Gespräch mit inside-it.ch hatte Christoph Bräunlich, Leiter der KI-Abteilung von BSI Software, erläutert, was das schweizerische Modell kann –
und was nicht. "Wir sind wahrscheinlich zwei Jahre hinter anderen Open-Weights-Modellen. Aber die anderen Modelle haben auch so angefangen."
Roadmap mit noch leistungsfähigeren Versionen
Imanol Schlag, Wissenschaftler an der ETH Zürich und Mitglied der Projektleitung, sagt in der Mitteilung: "Bei Apertus geht es nicht darum, mit innovativen Modellen privater Unternehmen zu konkurrieren, sondern darum, vertrauenswürdige und transparente KI bereitzustellen, auf der Organisationen jeder Grösse vertrauensvoll aufbauen können." Mit jeder neuen Version werde diese Grundlage leistungsfähiger. Laut Schlag wurden die Apertus 1.0-Modelle bereits mehr als drei Millionen Mal heruntergeladen.
Die Veröffentlichung von Apertus 1.5 und der Apertus Mini Suite sei Teil einer umfassenderen Roadmap, die in den kommenden Jahren die Bereitstellung immer leistungsfähigerer Versionen vorsieht. Damit soll eine Open-Source-Grundlage für KI in der Schweiz und darüber hinaus geschaffen werden. So
nutzen die Mitarbeitenden des Kantons Tessin für Übersetzungsarbeiten bereits eine speziell trainierte Version der Apertus-KI.
Mehr Rechenkapazitäten nötig
Schlag sagte der Zeitung
'Le Temps' (Paywall), dass das Apertus-Team plant, in den nächsten Jahren regelmässig Updates des Modells zu veröffentlichen. Dafür verlangt er mehr Ressourcen: "Es sind zusätzliche Investitionen erforderlich, sowohl in spezielle Ingenieurteams als auch in Rechenkapazitäten, um die zukünftigen Modelle zu trainieren und einzusetzen."
Auch EPFL-Professor Martin Jaggi forderte: "Die Rechenleistung in der Schweiz hat in den letzten Jahren praktisch nicht zugenommen. Jetzt strategisch und zeitnah zu investieren, beispielsweise im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft, scheint daher die einzige Möglichkeit zu sein, das für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit erforderliche Niveau an KI-Kapazitäten zu erreichen." Die Schweizer Industrie habe sich bisher "leider" hauptsächlich als Nutzerin chinesischer und amerikanischer KI-Technologien verstanden und nicht in hiesige KI-Infrastrukturen investiert.