Conreal ist am Ende und will sich als Techfirma neu erfinden

12. September 2022 um 07:27
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Stefan Schärer, Gründer von Houzy und Co-Geschäftsführer von Conreal.

Das Geschäft mit dem Baunebengewerbe ist am Ende, Conreal muss in Nachlassstundung und verkauft Beteiligungen an Firmen wie Houzy. Das Geld soll helfen, die Schulden zu bezahlen.

Bis Ende letzten Jahres lief das Geschäft der Winterthurer Firma Conreal gut. Gestartet im vierten Quartal des Jahres 2020 habe man bis Ende 2021 viele Mitarbeitende einstellen können, um "die mehrstufigen Vertriebsprozesse der Innenausbaubranche digital durchlässiger zu machen", sagt Stefan Schärer, Co-CEO von Conreal im Interview mit inside-it.ch. Auf Investorenseite sind die Pläne laut Schärer ebenfalls gut angekommen. Das habe zu einem breiten Aktionariat geführt, "wir haben schnell vorwärtsgemacht".

Gescheiterte Deals haben Conreal das Genick gebrochen

Die Kehrtwende passierte im Dezember 2021 und Anfang des Jahres 2022. Gründe dafür seien einerseits mögliche grosse Deals mit der Messe Schweiz und Swissbau gewesen, die letztlich nicht zustande gekommen seien, und andererseits die geopolitische Situation mit dem Krieg in der Ukraine und der restriktivere Venture-Capital-Markt. "Das hat uns das Genick gebrochen", so Schärer am Telefon. Man sei zu extensiv unterwegs gewesen und habe zu viele Themen im ganzen Ökosystem vorangetrieben, sagt Schärer selbstkritisch.
Aus diesen Gründen habe man im April begonnen, Mitarbeitende abzubauen. Von ursprünglich 70 Vollzeitstellen, davon 25 im Nearshoring, auf zwischenzeitlich 50 und aktuell 25, welche die Übergangsphase bestreiten sollen. "Die Firma Conreal wird saniert und mit dem Fokus auf den Tech-Stack unter dem Namen Conreal Technologies weitergeführt", erklärt Schärer.

Transformation und neue Finanzierungsrunde in 8 Monaten

Finanziert werden das Nachlassverfahren und die Transformation in die neue Firma durch bestehende Aktionäre – "rund die Hälfte des Aktionariats stellt uns nochmals Geld zur Verfügung" – und durch Verkäufe der Beteiligungen an Unternehmen wie Houzy, Neubauprojekte.ch oder Emonitor. "Kein Mitarbeiter wird auch nur einen Franken Lohn und schon gar keine Sozialleistungen einbüssen müssen", verspricht Stefan Schärer.
Das Geld muss für 8 Monate reichen. Schärer rechnet mit je 4 Monaten für das Konkursverfahren und für die Transformation in die neue Firma. Gelingt beides wie geplant, soll eine neuerliche Finanzierungsrunde helfen, sich mit der neu gegründeten Conreal Technologies am Markt zu positionieren.
Ob er im neuen Unternehmen noch eine Rolle spiele, wollte Schärer noch nicht sagen. Das würde gemeinsam mit den neuen Investoren entschieden. Angeboten werden soll eine "End-to-End-Technologie im Innenausbaubereich", die die Visualisierung von Bädern inklusive Preisen, Verfügbarkeiten und Lieferfristen zeige. Die Bezeichnung als CAD mit Anschluss ans ERP gefällt Schärer zwar nicht, aber ganz falsch sei sie nicht.

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