Mittlerweile hat die FLoC -Technologie aber viele Kritiker auf den Plan gerufen. Einerseits gibt es Werbetreibende, die darüber klagen, dass sie damit nicht mehr so zielgenau Werbung schalten können wie mit Cookie-basiertem individuellem Tracking. Gleichzeitig gibt es auch viele Kritiker die glauben, dass FLoC höchstens eine minimale Verbesserung in Sachen Datenschutz oder sogar eine grössere Gefahr für die Privatsphäre darstellt, als Cookies.
Der Browser als Tracking-Tool
Der Kern der FLoC-Technologie ist es, dass in Zukunft das Surfverhalten eines Individuums (oder genauer gesagt eines PCs) nicht mehr zentral von Google aufgezeichnet und analysiert wird. Stattdessen soll dies der Browser lokal auf dem Endgerät tun. Basierend auf den Vorlieben eines Users soll der Browser den User bzw. PC einer sogenannten Kohorte zuordnen, die User mit den gleichen oder zumindest ähnlichen Vorlieben umfasst. Wenn eine Webseite besucht wird, zeigt der Browser eine Kohorten-ID an, und Werbung kann darauf basierend geschaltet werden. Laut Google sollen Kohorten jeweils mindestens mehrere Tausend User umfassen.
Zu den Kritikern von FLoC gehörte unter anderem
die amerikanische Datenschützer-Organisation EFF. Google wolle unter dem Feigenblatt des Schutzes der Privatsphäre lediglich eine alte Tracking-Methode durch eine neue ersetzen, die potentiell noch grössere Gefahren in sich trage. Beispielsweise, so die EFF, erleichtere FLoC die Arbeit von "Fingerprintern", die versuchen, einem bestimmten Browser eine fixe Identifikation zuzuweisen. Statt zu versuchen, Millionen von Browsern anhand individueller Merkmale auseinander zu halten, müssten sie dies nur noch mit Tausenden tun.
Warum Google nicht in EU-Ländern testet
Google testet übrigens FLoC bereits bei Chrome-Usern in mehreren Ländern der Welt, allerdings nicht in Ländern die sich der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU angeschlossen haben. Noch ist nämlich unklar, ob die FLoC-Technologie überhaupt mit der DSGVO vereinbar ist. Für Chrome-User in anderen Ländern hat die EFF den Online-Service
AmIFloced.org eingerichtet, mit dem sie herausfinden können, ob sie ohne ihr Wissen zu Googles Testsubjekten gehören.
Auch die Entwickler der Browser Vivaldi, Brave und DuckDuckGo haben ähnliche Bedenken wie die EFF und versprechen, dass ihre Browser die Technologie nicht unterstützen werden. Übereinstimmend erklären sie, dass es die einzig richtige Lösung zum besseren Schutz der Privatsphäre sei, auf jegliches User-Tracking zu verzichten.
Sie weisen auch auf potentielle neue Gefahren hin, welche FLoC bringen könnte. Jon von Tetzchner, CEO und Mitgründer von Vivaldi, erklärt zum Beispiel
in einem Blogpost dass Werbetreibende durch die Kohorten-ID eines Users sogar mehr Informationen erhalten als via Cookies. Bisher, so von Tetzchner, hätten Unternehmen nämlich nur das Verhalten von Surfern sehen können, wenn diese Webseiten besuchen, auf denen sie selbst Werbung betreiben. Anhand der Kohorten-ID würden sie aber nun auch Informationen darüber erhalten, welche anderen Arten von Webseiten jemand besucht. Dies gelte sogar für Websites, die nicht einmal Werbung beinhalten oder das Userverhalten selbst tracken.