Die Schweizerische Post will ihre langjährigen Standorte in Neuenburg und Bellinzona aufwerten. Insbesondere soll in Neuenburg eine Kryptographie-Abteilung entstehen. Das erklärte der IT-Chef des Konzerns Wolfgang Eger kürzlich an einer Video-Medienkonferenz, wie 'Keystone-sda' berichtet hat. Wir haben nachgefragt.
Beide Dependancen sollen organisch wachsen und zwar auch in Sachen Vielfalt der IT-Stellen, wie Postsprecher Erich Goetschi auf Anfrage mitteilt. Ihr heute noch auf Software-Entwicklung liegender Schwerpunkt, soll in Zukunft "auch Projektleitung, Applikations- und Testmanagement oder Security-Aufgaben" umfassen.
Vorab stellt der Sprecher grundsätzlich klar, dass die beiden kleineren IT-Filialen postintern ein "hohes Standing" geniessen würden und fest in der Organisation von IT-Post verankert seien. Goetschi erinnert an ihr langes Bestehen, denn Bellinzona habe letztes Jahr sein 25-jähriges und Neuenburg das 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Und er schiebt nach, dass man die beiden Standorte stärken und dort mittelfristig neue Arbeitsplätze schaffen werde. Wie viele, sei aber noch unklar.
Erste etwas konkretere Angeben gibt es zu Neuenburg. Dort arbeiten im seit 2020 bestehenden Kompetenzzentrum für die Weiterentwicklung des E-Voting-Systems aktuell 8 Mitarbeitende, wie Goetschi ausführt. Hier soll nun die neue Abteilung entstehen.
Inhaltlich gehe es bei der geplanten Kryptographie-Abteilung darum, dass die Post das Prinzip des Briefgeheimnisses in die Zukunft bringen will, um somit "eine einfache, sichere, vertrauenswürdige Handhabung von digitalen Informationen in ihren Online-Diensten" anzubieten. Mit der Digitalisierung dessen, was die Post am besten kann, "den sicheren Transport vertraulicher Informationen", wolle man dann neben dem E-Voting auch andere Services etwa im E-Health oder E-Government-Bereich adressieren, so Goetschi weiter.
Dies werde aber "nur möglich, wenn die Kryptographie eine Kernkompetenz der Post wird", konstatiert er. Deshalb werde man das bestehende Spezialistenteam in Neuenburg vergrössern, die Rekrutierung laufe bereits. Hier sollen sich künftig Softwareentwickler, Kryptografie-Experten, Softwarearchitekten und Security- und Java Script-Developer zusammenfinden, wobei Fachkenntnisse in Kryptografie und Softwareentwicklung zentral seien, wie er nachschiebt. Wie viele Mitarbeitenden neu hinzukommen werden, ist noch offen, die "Zielgrösse der Abteilung ist noch nicht abschliessend definiert".
Die beabsichtigten Aufwertungen von Neuenburg und Bellinzona stehen im Zusammenhang mit dem Plan der Konzern-IT, die eigene IT aus ihrem Schattendasein zu holen. Ihre Bedeutung sei bisher unterschätzt worden, meint IT-Chef Eger. Zwar würden am Hauptsitz in Bern die Fäden zusammenlaufen, dennoch wolle man Standorte wie die in Neuenburg und Bellinzona ausbauen.
In Zeiten des Fachkräftemangels scheint Eger auf Werbetour für die IT der Post zu sein. Wiederholte er doch, was längst auch öffentlich bekannt ist. So hatte Post-Chef Roberto Cirillo schon
schon vor 2 Jahren den Ausbau in der West- und Südschweizer Filialen angekündigt und
im Mai 2020 versprochen, die Post werde zum Anziehungspunkt für IT-Spezialisten.
Die Post beschäftigt von ihren rund 1700 IT-Mitarbeitenden heute 44 ICT-ler in Neuenburg und 59 in Bellinzona. Die grösste Anzahl der Belegschaft arbeitet am Standort Zollikofen (rund 650) und am Hauptsitz in Bern (200). Hinzu kommen laut Goetschi noch die IT-Spezialisten in Härkingen, Aarau, Zürich, Luzern respektive Kriens und Chur, die direkt vor Ort bei den Geschäftsbereichen der Post arbeiten.