In einem Papier des EU-Ministerrats wird verlangt, dass Anbieter von verschlüsselter Kommunikation, darunter Whatsapp, Threema oder Signal, dazu verpflichtet werden, Backdoors für Behörden einzurichten.
Das geht aus einem internen Dokument der deutschen Ratspräsidentschaft an die Delegationen der EU-Mitgliedstaaten im Rat hervor, das auf den 6.11. datiert ist (
via 'orf.at', PDF). Mit dem Papier erhöht sich kurz nach dem Terroranschlag in Wien der Druck auf die Anbieter, nachdem das Thema in Europa eigentlich vom Tisch schien, auch wenn Geheimdienste überall möglichst umfassenden Zugriff einfordern.
Ein Entscheid in der EU ist noch nicht gefallen, zuerst wäre laut 'Spiegel' ein Entscheid der Innen- und Justizminister auf EU-Ebene fällig, anschliessend würde die EU-Kommission einen Entwurf für die Verordnung verfassen, welcher dann im Parlament diskutiert und allenfalls verabschiedet würde.
Security-Experten verneinen, dass Backdoors bei End-to-End-Verschlüsselung überhaupt technisch machbar seien, ohne die Verschlüsselung an sich zu schwächen. "Wir verstehen und haben Verständnis für die Frustration, mit der die Strafverfolgungsbehörden umgehen müssen, wenn Beweise zwar existieren, aber aufgrund von Sicherheitsmechanismen nicht zugänglich sind. Gleichzeitig macht uns unsere umfassende Erfahrung mit Verschlüsselung und Computersicherheit bewusst, wie wichtig die Details sind: Eine scheinbar geringfügige Änderung in einem Algorithmus oder Protokoll kann die Sicherheitsaspekte des Systems vollständig untergraben", schrieben Bruce Schneier, Paul Kocher, Steven Bellovin, und Turing-Preis-Gewinner Martin Hellman mit anderen Experten gemeinsam schon vor Jahren.
Ausser Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden hat ihnen unseres Wissens kein unabhängiger Verschlüsselungsexperte widersprochen. Konkrete, technologische Konzepte konnten oder wollten die Behörden bis anhin nicht vorlegen.