Wettbewerbshüter nehmen IoT-Anbieter unter die Lupe

16. Juli 2020 um 15:51
image

Nicht nur Security-Experten sorgen sich wegen IoT-Geräten. Brüsseler Behörden befürchten eine Verzerrung des Wettbewerbs durch die anfallenden Daten.

Die Entwicklung im Internet der Dinge verläuft rasend schnell. Nicht nur Sicherheitsexperten, die seit Jahren warnen, sehen hier Risiken. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission befürchten den Missbrauch von Daten aus intelligenten Haushaltsgeräten oder Wearables und starten deswegen eine Marktuntersuchung.
"Wenngleich sich das Internet der Dinge für verbraucherbezogene Produkte und Dienstleistungen noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium befindet, gibt es Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte Unternehmenspraktiken zu strukturellen Wettbewerbsverzerrungen führen können", teilte die Brüsseler Behörde mit. So gebe es beispielsweise Hinweise darauf, dass Unternehmen den Zugang zu bestimmten Daten beschränkten oder eigene Unternehmensteile bevorzugten.
Beschäftigen wird sich die Untersuchung zum Beispiel mit Uhren wie der Apple Watch, Fitness-Trackern und intelligenten Kühlschränken, Waschmaschinen, Fernsehgeräten und Beleuchtungssystemen. Zudem sollen auch Informationen über Dienstleistungen gesammelt werden, die über intelligente Geräte bereitgestellt werden, so zum Beispiel über Musik- und Video-Streamingdienste oder Sprachassistenten.
"Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen intelligenten Kühlschrank, der Ihre Einkaufsliste erstellt, und Sie könnten diese Liste einfach auf Ihr intelligentes Gerät laden und die Produkte dann bei einem Geschäft bestellen, das die Lebensmittel bis an ihre Haustür liefern lässt, die sich auf Sprachbefehl automatisch öffnet", kommentierte die zuständige Vizepräsidentin Margrethe Vestager.
Um dies zu ermöglichen, werde es den Zugang zu grossen Mengen von Nutzerdaten brauchen. "Deshalb müssen wir sicherstellen, dass die Marktteilnehmer ihre Kontrolle über diese Daten nicht dazu missbrauchen, den Wettbewerb zu verfälschen oder auf andere Weise Wettbewerber vom Markt auszuschliessen", erklärte sie.
Zurückdrehen lassen wird sich die Entwicklung nicht mehr. Nach Angaben von Vestager wird es bis 2023 schätzungsweise mehr als 180 Millionen Smart-Home-Geräte in Europa geben. Bereits Ende vergangenen Jahres seien es rund 110 Millionen gewesen. Der Markt werde in den kommenden vier Jahren vermutlich auf 27 Milliarden Euro wachsen, sagte die Dänin.
Für die Untersuchung wird die EU-Kommission nun 400 Unternehmen, die im Bereich des Internets der Dinge für verbraucherbezogene Produkte und Dienstleistungen in der EU tätig sind, Auskunftsersuchen übermitteln. Zu den Adressaten können beispielsweise Hersteller intelligenter Geräte, Softwareentwickler oder Anbieter entsprechender Dienstleistungen gehören.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Zürich braucht mehr Geld für Digitalen Arbeitsplatz

Der Kanton muss bereits erste Computer-Hardware aus seiner ursprünglichen Beschaffung im Jahr 2020 ersetzen. Dafür erhält Abraxas nochmals freihändig 11 Millionen Franken.

publiziert am 15.6.2026
imageAbo

Swissmedic erreicht Digitalisierungsziele nicht

Das Programm "Transformation Swissmedic Plattformen" zur Ablösung von Altsystemen ist beendet, aber noch nicht abgeschlossen. Denn noch immer sind Legacy-Systeme in Betrieb.

publiziert am 15.6.2026
image

Uetendorf lagert Informatik nach Thun aus

Die Gemeinde verzichtet auf die Erneuerung ihrer IT-Infrastruktur. Die Stimmbevölkerung befürwortet die Auslagerung der Systeme an die Stadtverwaltung Thun.

publiziert am 15.6.2026
image

Autonome Postautos im freihändigen Betrieb

Postauto will den Linienverkehr in Zukunft mit autonomen Shuttles ergänzen. Testfahrzeuge können in den beiden Appenzell und dem Kanton St. Gallen nun freihändig fahren.

publiziert am 12.6.2026