Zürich bleibt bei Blockchain positiv – vielleicht

28. Oktober 2020 um 15:09
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Der Kanton hat die Blockchain-Möglichkeiten analysiert und vielversprechende Use Cases identifiziert. Aber auch einige grosse "Aber".

Blockchain - im Bitcoin-fernen Umfeld aktuell lieber Distributed-Ledger-Technologie genannt - stösst auch beim Schweizer Staat auf wachsendes Interesse. Der neue Chef des Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT Dirk Lindemann zählt sie zu den "zukunftsweisenden Technologien". Und der Kanton Zürich befasst sich im Rahmen der Strategie "Digitale Verwaltung 2019 bis 2023" mit ihr. Die Zürcher Verwaltung wollte herausfinden, ob und welche Fragestellungen der Kanton mit Blockchain lösen könnte und welche Use Cases es gibt.
Die Projektgruppe hat 4 vielversprechende Ideen identifiziert: Die Registrierung von amtlichen Dokumenten, die Zugriffsdokumentation, Inventarkontrollen und öffentliche Ausschreibungen.
Allerdings sei die Technologie noch nicht reif für den Behördeneinsatz, und die Digitalisierung von Geschäftsprozessen sei "in vielen Fällen zu wenig weit fortgeschritten" schreibt Projektleiter Benjamin Lehmann, Business Analyst und Projektleiter bei der kantonalen Abteilung Digitale Verwaltung und E-Government.
Das heisst nicht, dass Blockchain aus den kantonalen Traktanden fällt, das Fazit ist vorsichtig positiv, auch wenn die Machbarkeit nicht überprüft wurde. Die Studie beinhaltet den aktuellen Kenntnisstand rund um die Technologie und Smart Contracts, betrachtet aber auch diverse Schweizer Cases wie den Betreibungsregisterauszug in Schaffhausen, Unterschriftsberechtigungen im Kanton Genf sowie die Bezahlung amtlicher Gebühren mit Kryptowährungen in Zug.
Das viel gelobte und überzeugend wirkende Private-Public-Projekt "Cardossier" zum Lifecycle von Autos sei noch nicht reif für eine Beurteilung, heisst es. Bei dieser auf Corda basierenden permissioned Blockchain werden Daten nicht registriert, sondern "traditionell" in den dezentralen Fachapplikationen und Datenbanken der Beteiligten gehalten. Über die Blockchain wird einzig der Zugriff auf diese Daten gewährt. Es gebe aber noch diverse technische und vor allem datenschutzrechtliche Probleme zu lösen.
Zu den 4 analysierten Zürcher Blockchain-Ideen heisst es im Bericht:
  1. Registrierung von amtlichen Dokumenten auf der Blockchain: Papierbasierte und elektronische Auszüge, Beglaubigungen usw. könnten mit wenig Aufwand und ohne Risiken öffentlich überprüfbar gemacht werden.
  2. Personendossier mit Blockchain-basiertem Logbuch: Der Nutzen dieser Lösung wäre aus Sicht der Bevölkerung beträchtlich, allerdings müssen vorerst alle Prozesse digitalisiert werden und Applikationen integrierbar sein.
  3. Inventarkontrolle auf der Blockchain: Mit dieser Lösung könnten Transparenz und Qualität von Inventaren erheblich gesteigert werden.
  4.  Öffentliche Ausschreibungen auf der Blockchain: Während Simap derzeit einen Relaunch erfährt, unseres Wissen ohne Blockchain, schreibt der Kanton Zürich: "Der Nutzen der Blockchain-Technologie im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen ist gegeben." Allerdings seien die Herausforderungen bei Datenschutz und Prozessautomatisierung "erheblich".
Ob das Interesse des Kantons Zürich in absehbarer Zeit in konkrete Projekte münden wird, darf man allerings noch bezweifeln. Und der kantonale Bericht hält fest, man habe keine Blockchain-Anwendungen identifiziert, "welche Verwaltungsprozesse grundlegend verändern". Zudem erklärt Lehmann: "Der Nutzen einer Blockchain-Lösung kann sich nur entfalten, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen in Politik, Recht, Organisation und Technologie gegeben sind. Denn der Einsatz der Blockchain-Technologie in Geschäftsfällen hat Konsequenzen, die über rein technische Aspekte weit hinaus gehen."
Das klingt nach vielen grossen Bremsklötzen.
Der Bericht des Kantons Zürich ist als PDF verfügbar.

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