Die Europäische Union hat Google am 5. September mit einer Kartellstrafe in Höhe von 2,95 Milliarden Euro belegt. Auslöser sind die Adtech-Praktiken des Konzerns. Google verzerre den Wettbewerb und schade konkurrierenden Anbietern, weil die eigenen Online-Werbedienste bevorzugt würden.
Google habe seine beherrschende Stellung mit der Plattform Ad Exchange beim Kauf und Verkauf digitaler Anzeigen auf Websites und in Apps von Drittanbietern missbraucht, erklärte die EU-Kommission. Der Konzern habe damit Verlagen, Werbetreibenden und Verbrauchern geschadet. "Google muss jetzt ernsthafte Abhilfemassnahmen zur Lösung seiner Interessenkonflikte ergreifen. Sollte dies nicht gelingen, werden wir nicht zögern, strenge Massnahmen zu ergreifen", sagte Teresa Ribera, Kommissarin für Wettbewerb der Europäischen Kommission.
Die Busse ist die zweithöchste Kartellstrafe in der EU-Geschichte. 2018 wurde eine Busse in Höhe von 4,34 Milliarden Euro ebenfalls gegen Google verhängt. Damals ging es um den Missbrauch der Marktmacht bei Android-Mobilgeräten.
Der Konzern wehrt sich gegen die neue Strafe. In einer Stellungnahme bezeichnete Googles globale Leiterin für Regulierungsangelegenheiten diese als "ungerechtfertigt" und sagte, sie erfordere Änderungen, die Tausenden europäischen Unternehmen schaden würden, da es für sie schwieriger werde, Geld zu verdienen. Google wolle gegen den Entscheid Berufung einlegen.
Auch US-Präsident Donald Trump reagierte verärgert. Er nannte die Strafe "sehr unfair". In einem Beitrag auf Truth Social schrieb Trump: "Wir können nicht zulassen, dass dem herausragenden und einzigartigen amerikanischen Erfindergeist so etwas angetan wird." Sollte die EU-Strafe bestehen bleiben, sehe er sich gezwungen, ein Verfahren nach Paragraf 301 einzuleiten. Dieses würde die Erhebung von Strafzöllen oder andere Massnahmen als Reaktion auf unfaire Handelspraktiken ermöglichen.