Europäische Tech-Allianz startet Microsoft-Office-Alternative

27. März 2026 um 14:33
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Illustration erstellt durch inside-it.ch mit Le Chat.

Eine europäische Allianz will ein "Euro-Office" entwickeln, mit der quelloffenen Software Onlyoffice als Basis.

Europäische Tech-Unternehmen wollen eine relevante Alternative zu Microsoft Office schaffen. Unter der Federführung von Ionos und Nextcloud wurde in Berlin eine neue europäische Initiative vorgestellt, die eine eigene freie Office-Suite namens "Euro-Office" entwickelt.
Angesichts der geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahres brauche Europa dringend eine zuverlässige, vollständig Microsoft-kompatible und einfach zu bedienende, souveräne Office-Lösung, sagte Achim Weiss, CEO von Ionos. "Unsere Initiative bietet eine Suite mit einer vertrauten Oberfläche, die alle Funktionen zur Arbeit mit Texten, Präsentationen und Tabellen umfasst."

Onlyoffice unter europäischer Kontrolle

Die technologische Grundlage für dieses Projekt bildet die quelloffene Software Onlyoffice. Das digitale Büropaket aus Riga, das aus einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation und einem Präsentationsprogramm besteht, läuft in einem Browser.
Die Entwickler legten starken Fokus darauf, dass die Dateien mit den Microsoft-Office-Formaten kompatibel sind. Im Gegensatz zu anderen Microsoft-Alternativen wie Libreoffice oder Openoffice schleppt Onlyoffice nach Einschätzung von Experten keine technischen Altlasten mit sich herum, sondern verfügt über ein modernes technisches Fundament.

Problematische Russland-Verbindung

Als problematisch erwies sich allerdings eine Querverbindung zu Russland. Das hängt massgeblich mit der komplexen Unternehmensgeschichte von Onlyoffice zusammen. Ascensio System, das Entwicklerunternehmen, sitzt zwar im EU-Staat Lettland, ist jedoch die Tochtergesellschaft eines russischen Unternehmens.
Dies hatte weitreichende Konsequenzen: Infolge der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland wurde europäischen Organisationen die Nutzung der kommerziellen Version von Onlyoffice untersagt.
Durch die Übernahme der Codebasis durch das europäische Konsortium soll dieses Risiko künftig komplett beseitigt werden. "Wir haben den Source Code verifiziert und verbessert sowie die Sicherheit überprüft, so dass wir jetzt ein solides Produkt haben", sagte Nextcloud-CEO Frank Karlitschek.

Breite Branchenunterstützung und ehrgeiziger Zeitplan

Das Projekt wird von einer breiten Allianz aus ganz Europa getragen. Neben Ionos und Nextcloud beteiligen sich Anbieter wie Abilian, Eurostack, Btactic, Openproject, Soverin und Xwiki an der Entwicklung und dem Betrieb der Office-Software. "Europa hat die Technologie, die Unternehmen und die Talente, um seine digitale Infrastruktur selbst zu betreiben. Was fehlt, ist die konsequente Nutzung, die Innovation und Unabhängigkeit tatsächlich vorantreibt", sagte Karlitschek.
Der Nextcloud-Chef betonte, sowohl die USA als auch China setzten ihre staatlichen IT-Ausgaben gezielt ein, um die eigene Industrie zu stärken. "Europa hingegen verhält sich im eigenen Markt wie ein Zuschauer: Es fliessen jedes Jahr hunderte Milliarden an Steuergeldern in Systeme, die wir nicht kontrollieren. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir anfangen, unsere eigenen Lösungen auch wirklich einzusetzen – Euro-Office zeigt, dass die Voraussetzungen dafür längst da sind", sagte Karlitschek.
Interessierte Organisationen können die Software bereits testen: Eine Tech-Preview von Euro-Office ist ab sofort verfügbar. Die Veröffentlichung einer ersten stabilen Version ist für den Sommer geplant, die dann auch für die Allgemeinheit nutzbar sein soll.

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