Die Kernsysteme zur Geodatenproduktion sind am Ende ihres Lebenszyklus angelangt. Deshalb soll beim Bundesamt für Landestopografie Swisstopo die IT runderneuert werden. Dies geschieht im Rahmen des Projekts "Neue Produktionssysteme" (Nepro),
wofür rund 65 Millionen Franken vorgesehen sind.
Swisstopo hat mit dem auf 10 Jahre ausgelegten Projekt im Jahr 2019 begonnen, der Abschluss ist dementsprechend für 2029 vorgesehen. 3 Jahre nach dem Start hat sich die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) erstmals mit Nepro beschäftigt und "die Projektrisiken und die Zielerreichung" beurteilt, wie es im nun vorliegenden Bericht heisst.
Prozesse und Strukturen erst im Aufbau
Darin wird an Kritik nicht gespart. "Die Prüfung zeigte, dass wesentliche Grundlagen des Programms zum Prüfungszeitpunkt noch nicht vorlagen. Um das Programm erfolgreich zu gestalten, muss Swisstopo diese rasch erarbeiten", schreibt die EFK. Beispielsweise würden wichtige Elemente wie messbare Ziele und Lieferergebnisse, eine Analyse der Stakeholder und der Rechtsgrundlagen fehlen. Ebenso vermisst die EFK eine Gesamtübersicht über das Programm sowie ein unabhängiges Qualitäts- und Projektrisikomanagement. "Ausserdem waren Gremien, Prozesse und Strukturen erst im Aufbau bzw. noch nicht vorhanden", so die Finanzkontrolle.
Bemerkenswert dabei ist, dass Swisstopo bereits zuvor auf diese Mängel angesprochen wurde. "Zu bemängeln ist, dass eine Beratungsfirma diese Lücken und die damit einhergehenden Risiken bereits in den Jahren 2019 und 2020 beanstandet hatte und diese nach wie vor bestehen", kritisiert die EFK. Schlimmer noch: Im Statusbericht per Ende 2021 habe Swisstopo nicht alle wesentlichen Risiken offengelegt. "Durch die von Swisstopo getätigte Auswahl fehlten Risiken, auf welche die Beratungsfirma hingewiesen hatte oder die im internen Programmstatusbericht aufgeführt sind", heisst es im EFK-Bericht weiter.
Nutzen des grossen IT-Projekts sollte konkretisiert werden
Doch die Finanzkontrolle belässt es nicht dabei: Der technische Bedarf sei infolge End-of-Life der derzeit eingesetzten Software ArcMap absehbar und nachvollziehbar. Allerdings "kann Swisstopo den Bedarf, der über die reine Migration hinausgeht, nicht ausreichend belegen". Der Nutzen für den umfassenden Erneuerungsbedarf sei nicht nachvollziehbar.
Deshalb empfiehlt die Finanzkontrolle, "den Bedarf und den Nutzen für alle Projekte, die über eine reine Ersatzbeschaffung hinausgehen, zu konkretisieren". Ausserdem sollen "Zielkonflikte, Synergiepotenziale und Doppelspurigkeiten des Programms mit anderen Geodateninfrastrukturen und strategischen Vorhaben von Bund und Kantonen identifiziert werden.
Kostenschätzung könnte zu niedrig sein
Auch zu den anvisierten Kosten von rund 65 Millionen Franken äussert sich die EFK. Die Projektkostenschätzungen seien "ungenügend nachvollziehbar" und würden deshalb erhebliche Risiken bergen. Es sei nicht sichergestellt, dass die beantragten Ressourcen die gesamte Projektdauer abdecken. Und es bestehe ein hohes Risiko, dass man mit den geplanten Vollzeitstellen nicht auskomme. Die Aufwandsschätzungen seien ungenau, da sie "wesentliche Elemente wie Systemarchitektur, Abhängigkeiten, rechtliche Konformität, Sicherheit und Umfeld zu wenig oder nicht berücksichtigen". Es bestehe das Risiko, dass die gesprochenen Kredite nicht ausreichen oder sich das Programm als Ganzes verzögert.
Die Verantwortlichen akzeptieren die Kritik. Swisstopo sei mit den Empfehlungen der EFK einverstanden, heisst es in der Stellungnahme. "Bei vielen von der EFK formulierten Empfehlungen sieht auch Swisstopo Handlungsbedarf und hat bereits während der Prüfung Massnahmen eingeleitet."