Finanzkontrolle stellt Migrationsprojekt schlechtes Zeugnis aus

27. Oktober 2026 um 10:47
  • politik & wirtschaft
  • e-government
  • efk
  • Zemis
image
Foto: Curated Lifestyle / Unsplash+

Die ursprünglichen Kosten für die Erneuerung des Migrationssystems Zemis haben sich laut EFK fast vervierfacht. Dem für die Umsetzung zuständigen Staatssekretariat für Migration fehlt das Personal.

Die Erneuerung des Zentralen Migrationsinformationssystems (Zemis) läuft finanziell aus dem Ruder. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) warnt in einem Bericht vor explodierenden Kosten. Diese werden mittlerweile auf 193 Millionen Franken geschätzt – 127 Millionen Franken mehr als ursprünglich vorgesehen. 2022 hatte das Parlament noch einen Kredit von rund 50 Millionen bewilligt.
Zemis ist das Herzstück der Asylbehörden. Rund 30'000 Personen in der Schweiz nutzen es täglich. Da die Software veraltet ist, muss sie zwingend abgelöst werden.

Aufwand unterschätzt

Die EFK warnt vor immensen Verzögerungen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) rechnet inzwischen mit einem Abschluss im Jahr 2032 – für die EFK ist dieser Termin "nicht haltbar". Jedes Jahr Verzögerung koste 25 Millionen Franken. Der Parallelbetrieb des alten und neuen Systems verursache jährlich fünf Millionen Franken Zusatzkosten.
Grund für die Misere seien unterschätzte Aufwände und neue Vorgaben. So hat der Bundesrat die Mittel wegen Sparmassnahmen in den Jahren 2027 und 2028 um fast 18 Millionen gekürzt. Gleichzeitig muss das SEM bis 2028 neue Anforderungen aus dem EU-Paket integrieren.

Personal am Anschlag

Als Risiko ortet die EFK zudem das fehlende Personal. Die SEM-Spezialisten und -Spezialistinnen seien durch das Tagesgeschäft teils so stark ausgelastet, dass sie nur noch 30% der zugesagten Zeit für das Projekt aufbringen könnten. Der Zukauf von externen Beratern werde das Budget übersteigen.
Das SEM kontert im Bericht, die EFK schenke dem Grundanliegen "deutlich zu wenig Beachtung". Das alte System sei nicht zukunftsfähig, zur teuren Ablösung gebe es keine Alternative.

Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

imageAbo

Bund will bis zu 20 Millionen für Breitbandanschlüsse zahlen

Green Datacenter liefert dem Bundesamt für Informatik Anschlüsse und muss die Erschliessung der Standorte sicherstellen.

publiziert am 26.10.2026
imageAbo

Bund benötigt mehr Unterstützung für Public Cloud

Dem Bundesamt für Informatik und Telekommunikation fehlen offenbar Ressourcen für das Management der Cloud-Infrastrukturen. Innovation Process Technology soll einspringen.

publiziert am 23.10.2026
image

Schweizer Verleger gehen gegen Meta vor

Der Schweizer Verlegerverband ist mit den neuen Geschäftsbedingungen von Meta gar nicht zufrieden. Sie fordern deshalb besseren Schutz ihrer Inhalte.

publiziert am 23.10.2026
image

Schaffhausen verschärft Vorgaben für Rechenzentren

Die hohe Energieeffizienz war bis anhin die einzige Vorgabe beim Bau neuer Rechenzentren. Zukünftig werden auch Treibhausgas- und Wassereffizienz gefordert.

publiziert am 23.10.2026