Frankreich auf der Suche nach der digitalen Souveränität

13. April 2026 um 13:11
image
Illustration: Erstellt durch Inside IT mit Le Chat

"Es genügt nicht, zu konstatieren, dass man abhängig ist. Man muss da raus!", so Regierungsvertreter. Die Digitalbehörde wechselt von Windows auf Linux, andere Behörden könnten folgen.

Die französische Regierung möchte ihre digitale Abhängigkeit von aussereuropäischen Unternehmen reduzieren und diesen Prozess nun weiter beschleunigen. Digitale Souveränität anzustreben sei unumgänglich, schreiben der Digitalminister David Amiel und seine Stellvertreterin Anne Le Hénanff in einem markigen Statement der interministeriellen Digitalbehörde Dinum (Direction Interministérielle du Numérique): "Der Staat darf sich nicht länger damit begnügen, seine Abhängigkeit festzustellen, sondern muss sie überwinden. Wir müssen uns von amerikanischen Tools unabhängig machen und die Kontrolle über unser digitales Schicksal zurückgewinnen. Wir können nicht länger hinnehmen, dass unsere Daten, unsere Infrastrukturen und unsere strategischen Entscheidungen von Lösungen abhängen, über deren Regeln, Preise, Entwicklungen und Risiken wir keine Kontrolle haben."

Open Source und europäische Eigengewächse

Einige konkrete Initiativen in dieser Richtung seien bereits in Gang, so das Statement. Beispielsweise habe man sich dazu entschlossen, die Arbeitsplätze der Dinum selbst von Windows auf Linux umzustellen. Falls dies gelingt, dürften weitere Behörden wohl folgen.
Neben Open Source sollen auch europäische oder einheimische, teilweise von der französischen Regierung beziehungsweise von der Dinum selbst entwickelte Lösungen US-Produkte ersetzen. So hat die nationale Krankenkasse Cnam (Caisse nationale d'Assurance maladie) vor einigen Tagen angekündigt, dass sie Kollaborationssoftware wie Teams, Zoom oder Webex durch die französischen Eigengewächse Tchap (Instant Messaging), Visio (Videokonferenzen) und Francetransfert (Dokumententransfer) ersetzen will. Dies betrifft rund 80'000 Arbeitsplätze.

Auch die Privatwirtschaft soll helfen

Die Ablösung soll aber in Zukunft noch deutlich weitergehen. Unter anderem wurde beschlossen, dass alle Ministerien (beziehungsweise deren IT-Dienstleister) bis im Herbst dieses Jahres einen eigenen Plan erstellen müssen, wie sie ihre Souveränität erhöhen könnten. Der Bericht soll die Bereiche Arbeitsplätze, Tools für die Zusammenarbeit, Virenschutz, Künstliche Intelligenz, Datenbanken, Virtualisierung und Netzwerkausrüstung umfassen. Die Dinum soll diese Pläne dann analysieren und koordinieren.
Ideen und Hilfe bei der Reduktion der digitalen Abhängigkeit erhofft sich die französische Regierung auch aus der Privatwirtschaft. Im Juni 2026 sollen die ersten "Industrietreffen zur Digitalisierung" stattfinden, die von der Dinum organisiert werden. Sie sollen die Gelegenheit bieten, öffentlich-private Koalitionen zu konkretisieren, insbesondere durch die Formalisierung einer "öffentlich-privaten Allianz für europäische Souveränität".

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

EFK bemängelt Datenmanagement beim Bund

Die Bundesverwaltung setzt die Vorgaben für ein einheitliches Datenmanagement erst ansatzweise um.

publiziert am 15.10.2026
image

Bundesrat will Jugendschutz in der Plattformregulierung

Nach der Vernehmlassung ergänzt die Regierung den Gesetzesentwurf mit schärferen Jugendschutzmassnahmen. Bis Ende Juni 2027 soll die Botschaft vorliegen.

publiziert am 14.10.2026
image

"Massive technische Mängel": Ombudsmann kritisiert Citysoftnet

Das Fallführungssystem sorgte nach Bern auch in Zürich für Klagen. Laut dem Schlussbericht des Ombudsmanns wurden Warnzeichen ignoriert.

publiziert am 14.10.2026
imageAbo

Basel-Landschaft erneuert IT-Arbeitsplätze für 16,7 Millionen

Der Kanton hat drei Aufträge rund um den IT-Arbeitsplatz seiner Verwaltung vergeben. Die Zuschläge gehen an MTF Solutions, Dplan, Bechtle und Brack.

publiziert am 13.10.2026