Glosse: Das EPD und ich

7. Juli 2022, 13:57
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Endlich hat Chefredaktor Reto Vogt sein elektronisches Patientendossier. Bloss: Was bringt das jetzt genau?

Eigentlich hatte ich keine Fortsetzungsgeschichte geplant, als ich letzte Woche meine Odyssee zum EPD beschrieb. Doch da ich mittlerweile eins habe, frage ich mich nun schon: Was mache ich genau damit?
Doch von vorne: Was lange währt, ist endlich da (das Originalsprichwort würde nur so mittelgut passen). Nachdem sich die Eröffnung meines EPDs letzte Woche noch etwas verzögert hatte, ist sie nun Tatsache. Ich. Habe. Ein. EPD. So schön.
Weniger schön ist, was ich nach dem ersten Login sehe: "Der von Ihnen genutze Browser wird nicht unterstützt." (Ja, "genutze" statt "genutzte") heisst es dort, trotz aktuellem Chrome unter MacOS.
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Der Startbildschirm des EPD.
Technisch funktioniert das System abgesehen davon gut. Die Bedienung ist indes etwas umständlich. Will ich beispielsweise mein Impfzertifikat hochladen, muss ich ein Formular mit 13 Feldern ausfüllen und dabei "Rolle des Autors", "Gesundheitseinrichtungstyp", "Fachrichtung", "Dokumententyp" oder "Dokumentenklasse" definieren. Das sind allesamt Pflichtfelder mit Dropdown-Menü und jeweils unzähligen Auswahlmöglichkeiten. Als Nichtmediziner tue ich mich schwer, da jeweils das richtige auszuwählen. Patient, Apotheke, Infektionskrankheiten, Impfausweis, Langzeitdokumentation? Mh, wird schon in etwa passen. Unter "Format" kann ich ausserdem wählen, ob es ein "unstrukturiertes EPD Dokument", ein "KOS Dokument" oder ein "CDA Laboratory Report" ist. Ich bin überfordert.

Nur schwer verständliche Fachbegriffe

Sinn ergibt für mich einzig die "Vertraulichkeitsstufe". Dokumente können als normal, eingeschränkt oder geheim klassifiziert werden. Dort wird geregelt, welche Zugriffsrechte eine Gesundheitsfachperson im Notfall erhält.
Damit diese auch darauf zugreifen können, können und müssen in der Zugriffssteuerung die entsprechenden Rechte an die Gesundheitsorganisationen vergeben werden. Das gestaltet sich allerdings noch schwierig. Ich finde in der Liste weder meine Hausärztin noch den Kinderarzt meiner Söhne. Das ist aber auch kein Wunder: In der Liste mit allen "Gesundheitseinrichtungen / Gruppen / Gesundheitsfachpersonen, die einen EPD-Zugang haben", finden sich handgezählte 42 Einträge.
Ohnehin stellt sich mir die Frage, wie beispielsweise die Notaufnahme eines Spitals erfährt, dass ich ein EPD besitze, wenn ich dort eingeliefert würde? Theoretisch müsste diese Information auf dem Ausweis der Krankenkasse hinterlegt sein, der dann vor Ort eingelesen wird und die Ärztinnen und Ärzte sofort Zugriff auf alle notwendigen (beziehungsweise von mir zugelassenen) Dokumente haben. (Ohne dass KK darauf zugreifen kann, selbstverständlich). Alternativ dazu böte sich auch die neue E-ID des Bundes an.

Ist die Dropbox wirklich die schlechtere Lösung?

Ich bleibe auch nach einem ersten Blick in mein EPD der Meinung, dass die Idee dahinter richtig ist, es aber an der Umsetzung und vor allem an der Verbreitung dann doch noch hapert. Und mit der Verbreitung meine ich nicht nur die wenigen Schweizerinnen und Schweizer, die eins haben, sondern auch, dass noch viel weniger Gesundheitsorganisationen daran angeschlossen sind.
Ich endete letzte Woche mit dem sehr ironisch gemeinten Lösungsvorschlag, als Alternative zum elektronischen Patientendossier (EPD) einfach eine Dropbox zu eröffnen. Heute bin ich tatsächlich nicht mehr sicher, ob das wirklich so viel schlechter wäre.

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