"Ich bin es eher gewohnt, zu verlieren"

29. Mai 2026 um 08:53
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Claudio Hintermann. Foto: zVg

Der "Pioneer des Jahres" zeichnet Persönlichkeiten aus, die die digitale Schweiz mitgestalten. Claudio Hintermann von Abacus war 2023 der erste Gewinner und spricht über den Wert der Auszeichnung.

Jedes Jahr bringt der Digital Economy Award die Schweizer Digitalbranche im Zürcher Hallenstadion zusammen. Der frühere Publikumspreis "The Pascal" für die ICT-Persönlichkeit des Jahres wird neu als "Pioneer des Jahres" vergeben und ehrt Menschen, die Innovation, Ausdauer und Wirkung verbinden. 2023 gewann Claudio Hintermann, Mitgründer von Abacus, bei der ersten Verleihung den Award. Im Interview blickt er auf die Auszeichnung zurück, die für ihn eine Überraschung war.
Inside IT: Sie waren der erste Gewinner des Pascal-Awards. Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für Sie? Claudio Hintermann: Für mich war die Auszeichnung eine Anerkennung für die viele Zeit und Energie, die wir bei Abacus in die Digitalisierung investiert haben. Somit ist der Award eher eine Auszeichnung für Abacus.
Mit welchem Gefühl sind Sie damals auf die Bühne gegangen? Ich habe mir damals nicht allzu viele Gedanken gemacht, denn ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich den Preis gewinnen würde. Ich bin es eher gewohnt, zu verlieren. Deshalb war es für mich eine grosse Überraschung.
Was war die schönste Reaktion nach der Preisverleihung? Das ist inzwischen schon fast drei Jahre her. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr genau daran erinnern. Aber das Bier nachher war gut.
Konnten Sie durch die Auszeichnung etwas erreichen, das sonst schwieriger gewesen wäre? Eigentlich nicht. Auszeichnungen erhält man normalerweise für etwas, das man bereits getan hat – nicht für etwas, das man in Zukunft tun wird.
Sie werden sicher nicht müde, die Digitalisierung der Schweiz weiter voranzutreiben. Möchten Sie ein Projekt hervorheben, das Ihnen derzeit besonders wichtig ist? Ja. Ich möchte, dass man mit Finanzen "sprechen" kann. Buchhaltung soll nicht mehr nur historisch ausgerichtet sein, sondern proaktiv in die Zukunft blicken. Es soll nicht nur darum gehen, was ich getan habe, sondern auch darum, was ich in Zukunft tun sollte und welche Szenarien für mich möglich sind.
Wer kommt Ihnen aus Ihrer Karriere spontan in den Sinn, die oder der den Preis damals verdient hätte? Ich bin eher in der Forschung tätig und kenne deshalb nicht sehr viele Personen. Sicherlich gibt es bei Abacus einige andere Menschen, die Grossartiges für die Digitalisierung geleistet haben und den Preis verdient hätten. Bei solchen Preisen wird aber meistens die hierarchisch höchstgestellte Person ausgezeichnet, nicht unbedingt die fachlich geeignetste. Hat hier auch sehr gut geklappt.
In diesem Zusammenhang möchte ich gerne meinen Lieblingsschriftsteller Mark Twain zitieren: "Es ist besser, Ehrungen zu verdienen und nicht geehrt zu werden, als geehrt zu werden und es nicht zu verdienen." In dem Sinne haben sie gewonnen.
Interessenbindung: Inside-it.ch ist Medienpartner der "Digital Economy Awards".
Wer ist für Sie der Pioneer des Jahres 2026? Wer prägt die digitale Schweiz wirklich?
Gesucht sind Menschen mit Mut, Ausdauer und dem Willen, neue Wege zu gehen. Menschen, die an ihre Idee glauben, auch wenn andere längst aufgegeben haben. Die dranbleiben. Widerstände überwinden. Verantwortung übernehmen. Und mit ihrem Handeln sichtbare Wirkung erzielen – in Technologie, Wirtschaft, Wissenschaft oder Gesellschaft.
Genau diese Pioneer-Persönlichkeiten macht der Digital Economy Award sichtbar.
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