Inkasso-Startup Pair Finance will in der Schweiz Fuss fassen

31. August 2023 um 13:39
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Pair-Finance-Gründer und CEO Stephan Stricker mit Marko Kusigerski, Country Head Switzerland (von links nach rechts) Foto: @Pair Finance / Robert Lehmann.

Das Fintech aus Berlin betreibt das Geschäft der Mahnungen und Betreibungen mit Künstlicher Intelligenz. Es muss dafür jede Menge Daten sammeln.

Die Zahlungsmoral der Schweizerinnen und Schweizer ist nicht besonders gut. Rund 59 Tage im Jahr verbringen hiesige Unternehmen im Schnitt damit, verspäteten Zahlungen hinterherzurennen. Das steht zumindest im European Payment Report des Inkassounternehmens Intrum, das für Firmen Zahlungsforderungen abwickelt – und mit seinem Geschäftsmodell aus den Verzögerungen einen Nutzen zieht.
Dennoch kann man konstatieren: Die mangelnde Zahlungsmoral bindet Ressourcen, die Firmen anderswo einsetzen könnten. Abhilfe will ein Berliner Fintech schaffen, das nun in die Schweiz kommt. Pair Finance will dank eines selbstlernenden Algorithmus Firmen helfen, bei Mahnungen den richtigen Ton zu treffen und das Problem rascher zu lösen.
Nach neusten Erkenntnissen der Verhaltenspsychologie sollen die säumigen Zahlerinnen und Zahler typologisiert und entsprechend adressiert werden. Das Tool von Pair Finance soll dank generativer KI nicht nur selbständig nachdrückliche Nachrichten verfassen können, sondern auch gleich optimal Kanal, Zeitpunkt und Frequenz bestimmen: Whatsapp, Mail, Brief oder persönlicher Kontakt. Zugleich sollen Anwender in Datenvisualisierungen Rückmeldungen zum Fortschritt sowie vorausschauende Analysen erhalten.

Datenstaubsauger unter DSGVO

"Im respektvollen Umgang mit ihrem Kunden finden wir eine effiziente und kundenorientierte Lösung", wirbt Pair Finance. Sollte das nicht klappen, sind aber weitere "Eskalationsstufen" vom gerichtlichen Verfahren bis hin zur Langzeitüberwachung vorgesehen. Was Letzteres genau bedeutet, legt Pair Finance nicht offen. Die Datensammlung, die das Unternehmen anlegt, ist aber bedenklich.
Um die Kunden zu typologisieren, will die Firma nicht nur Kundendaten von den vertretenen Firmen erhalten, sondern auch Infos von Auskunfteien, Kreditinstituten und Marktdaten einholen. Zudem sollen Daten aus sozialen Medien oder im Rahmen der E-Mail-Identifikation Aufschluss über den sozioökonomischen Status und die entsprechende Kommunikation bieten. Schliesslich will das Fintech aus Berlin Verhaltensdaten wie Erreichbarkeit, Art der Reaktion oder die Reaktionsgeschwindigkeit auswerten, um schliesslich ein Profil zu erstellen.
Wer auf Facebook seinen Doktor in BWL feiert, darf mit einer anderen Ansprache rechnen, als der Partymann von Instagram. Die mahnende Nachricht dürfte nicht immer klingen wie das höfliche Werbebeispiel: "Hallo Max, vielleicht hast du eine Rechnung einfach übersehen, vielleicht war dir eine Zahlung bisher nicht möglich. Ganz egal, was der Grund ist, wir finden mit dir zusammen eine Lösung." Zumindest legen dies Bewertung auf Konsumentenportalen nahe.

"Den Schweizer Markt überzeugen"

In den Datenschutzbestimmungen von Pair Finance heisst es auch: "Wir verarbeiten personenbezogene Daten zum Zweck der (Weiter-)Entwicklung neuer oder bestehender Produkte in einer angemessen gesicherten Umgebung". Zumindest verspricht die Firma in ihren FAQs ein Sperr- und Löschkonzept für sämtliche verarbeiteten Daten. Die Firma untersteht schliesslich der DSGVO und in der Schweiz dem neuen DSG.
Hierzulande wurde die GmbH Pair Finance Suisse bereits im Mai im Handelsregister eingetragen. Marko Kusigerski leitet das Schweizer Geschäft als Country Head Switzerland vom 1. September 2023 an. "Sowohl die Technologie und die Erfolgsbilanz als auch die Kompetenz des aussergewöhnlichen Teams von Pair Finance werden den anspruchsvollen Schweizer Markt überzeugen", lässt sich der Geschäftsführer in einer Mitteilung zitieren. Andernorts ist das gelungen. Die Firma zählt in Berlin, Wien, Amsterdam und Zürich bereits 250 Mitarbeitende.

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