Kantonsspital Baden will Daten­analysen in der Cloud durchführen

5. Dezember 2023 um 13:05
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Kantonsspital Baden. Foto: KSB

Das "enorme Potenzial" von Daten wird laut dem Kantonsspital heute kaum genutzt. Mit einer neuen Cloud-Plattform soll sich das ändern.

Das Kantonsspital Baden (KSB) will mit einer neuen Cloud-Plattform seine Daten besser nutzen können. Es soll die technische Grundlage geschaffen werden, um künftig verschiedene Use Cases im Bereich Datenmanagement und KI umsetzen zu können, schreibt das KSB in einer Ausschreibung.
2022 behandelte das Spital knapp 22'000 stationäre und 324'000 ambulante Fälle. Man verfüge über eine Vielzahl von medizinischen sowie betriebsrelevanten Informationen, darunter Patientendaten, Diagnosen, Behandlungspläne, Forschungsergebnisse, Finanzdaten oder Informationen zu Supportprozessen, so das KSB.
In diesen Daten stecke ein enormes Potenzial, das aber heute noch zu wenig genutzt werde. Als ein Beispiel nennt das KSB Labordaten. Künftig soll es möglich sein, zusätzliche Erkenntnisse aus diesen Informationen gewinnen oder Datensätze einfacher für die Forschung extrahieren zu können.
Das Spital sucht nun einen Anbieter, der für die Einführung der neuen Datenplattform personelle Ressourcen und Dienstleistungen bereitstellt. Bezüglich des Plattform-Providers habe man keine Präferenzen, der Anbieter solle den geeignetsten Cloud-Provider vorschlagen, so die Ausschreibung. Auf der Plattform sollen Daten konsolidiert und nutzbar gemacht werden.

Cloud-Plattform soll skalierbar sein

Dem Spital strebt eine Plattform vor, auf der die Daten im möglichst ursprünglichen Rohformat gespeichert werden und die Transformation in ein Schema erst dann erfolgt, wenn die Daten abgefragt oder analysiert werden. Um die Rohdaten zu speichern, sollen skalierbare und kosteneffiziente Speicherlösungen zum Einsatz kommen, so die Ausschreibung. Angestrebt wird eine Lösung mit verschiedenen Leistungskategorien, so dass wenig verwendete Daten in einem langsameren, dafür günstigeren Speicher gehalten werden könnten.
Das KSB fordert zudem die Möglichkeit, Metadaten verwalten zu können. Informationen zu Quelle, Importdatum, Eigentümer oder Struktur würden eine bessere Nachvollziehbarkeit und Verwaltung der Daten erlauben.
In der Ausschreibung betont das KSB, dass die Architektur strenge Sicherheits- und Compliance-Anforderungen erfüllen müsse. Dies umfasse den Zugriffsschutz, Verschlüsselung, Auditing und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften im medizinischen Bereich.

Daten sollen maskiert werden

Es gelte zu beachten, so das KSB, dass es sich um Gesundheitsdaten handle. Datensätze müssten deshalb maskiert werden, bevor sie in die Plattform integriert werden. Mit Datenmaskierung meint das Spital die Umwandlung sensibler Daten in getarnte Daten, die den echten ähnlich sehen. Die Maskierung offenbare keine echten Informationen, so dass keine Rückschlüsse auf Personen möglich seien und die Daten für einen Angreifer nutzlos wären.
Der Maskierungs-Schlüssel dürfe das KSB nie verlassen, heisst es weiter, und nicht in der Cloud liegen. Autorisierte Nutzer sollen in der Lage sein, im Bedarfsfall Klardaten von Patienten einsehen zu können. Dies solle nahtlos geschehen können, ausser es handle sich um besonders schützenswerte Daten. Dann soll eine aktive Demaskierung durch den autorisierten Nutzer notwendig werden.

COO-Dashboard, Krebsregister

Laut der Ausschreibung will das KSB ab dem 2. Quartal 2024 erste Use Cases testen können, will die Plattform aber so gestaltet haben, dass mit der Zeit weitere Anwendungsfälle umgesetzt werden können. Als einen Use Case nennt das Spital ein COO-Dashboard. Dieses soll Kennzahlen aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen und eine Kombination mit Finanzzahlen ermöglichen. Das Dashboard soll es dem COO ermöglichen, relevante Kenngrössen selbstständig zusammenzustellen. Es fungiere ausserdem als Prototyp für weitere Dashboards von anderen GL-Mitgliedern, schreibt das KSB.
Ein weiterer Anwendungsfall, den das KSB beschreibt, ist ein Krebsregister. Jeder Krebsfall müsse dem kantonalen Register gemeldet werden, wobei klar definiert sei, welche Informationen übermittelt werden müssen. Der Prozess erfordere viel manuelle Arbeit und die Informationen seien in sehr unterschiedlichen Quellen gespeichert, meist als PDF-Dokumente im KISIM. Mit der neuen Plattform soll sich dies ändern. Ausserdem könnten die rund 10'000 Tumordokumentationen als Output für ein allfälliges Training verwendet werden.
Wie das KSB schreibt, habe man in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Datenschutzbeauftragten für diesen Use Case eine Datenschutzfolgeabschätzung erarbeitet. Diese befinde sich in der Finalisierung.

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