Krise bei Avaya manifestiert sich nun auch in schwachen Zahlen

10. August 2022, 12:34
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Foto: SpudMcCoy / Wikimedia Commons unter CC BY-SA 3.0

Im letzten Quartal hat Avaya 20% weniger Umsatz als noch vor einem Jahr erwirtschaftet. Das Unternehmen äussert gar Zweifel am eigenen Fortbestehen.

Avaya hat im 2. Quartal 2022 einen unerwarteten zweistelligen Umsatzrückgang ausgewiesen. Standen im Vorjahresquartal noch 732 Millionen Dollar in den Büchern, sind es nach den vorläufigen Zahlen jetzt noch 577 Millionen Dollar. Damit habe das Unternehmen die Prognosen von vor 3 Monaten um mehr als 100 Millionen Dollar verfehlt, rapportiert 'SiliconAngle'. Ebenfalls schlecht sehen die Zahlen beim EBITA aus. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen betrug noch 54 Millionen Dollar, nachdem im Mai noch von 140 bis 150 Millionen Dollar die Rede gewesen war. Die Aktie sackte bei Bekanntgabe der Zahlen um über 45% ab.
Der Kommunikationskonzern selbst resümiert die Zahlen noch drastischer. Nicht nur sei man im letzten Quartal "deutlich unter den bisherigen Erwartungen" geblieben. Vielmehr würden aufgrund der Ungewissheit in Bezug auf eine kürzlich erfolgte Fremdfinanzierung und der enttäuschenden Finanzergebnisse "erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens bestehen, den Betrieb fortzusetzen".

Whistleblower-Vorwürfe sind aufgetaucht

Offen ist dabei, was all das mit der überraschenden Ablösung von CEO Jim Chirico vor gut einer Woche zu tun hat. Chirico ist von Branchenveteran Alan Masarek abgelöst worden, den er noch gerade 14 Tage lang beim reibungslosen Übergang begleiten werde, wie es damals hiess.
Jedenfalls hat inzwischen der Prüfungsausschuss des Verwaltungsrats eine interne Untersuchung eingeleitet, um die Umstände rund um die nun vorliegenden Finanzergebnisse zu untersuchen, teilt Avaya mit. Zudem gehe das Gremium separat Whistleblower-Vorwürfen nach, wobei unklar bleibt, um was es hierbei genau geht. Auch sei externer Rechtsbeistand beigezogen worden und die Börsenaufsichtsbehörde informiert worden. Zudem habe man mit PwCauch den externen Wirtschaftsprüfer von Avaya über die Untersuchungen informiert.

CEO kündigt "aggressive Massnahmen" an

Bei alledem verbreitet der neue CEO Masarek aber auch Hoffnung. Die liege beim Cloud-Business, das um beinahe 100% im Vergleich mit dem Vorjahresquartal zugelegt habe. Auch die CAPS-Umsätze (Cloud Alliance Partner Subscription) hätten in diesem Zeitraum um 13% auf nunmehr 53% des Umsatzes zugelegt. Insgesamt erwirtschafte man mit Software und Services 88% des Geschäfts. Dabei hätte sich der wiederkehrende Umsatz um 6% auf aktuell 70% gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbessert.
Nur ist das laut Masarek keine wirkliche Entwarnung. "Unsere vorläufigen Finanzergebnisse für das Quartal spiegeln Unzulänglichkeiten im Betrieb und in der Ausführung, die sich vor dem Hintergrund eines volatilen wirtschaftlichen Umfelds noch verstärkt haben". Nun sollen "aggressive Massnahmen" helfen, die Kostenstruktur von Avaya ans Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen anzupassen. "Wir haben bereits mit der Umsetzung unserer kürzlich angekündigten Einsparungsinitiativen begonnen", und man werde dafür weitere Bereiche identifizieren, so der neue CEO. "Obwohl wir noch viel Arbeit vor uns haben, besteht eine hervorragende Grundlage, um eine stärkere, schlankere, agilere und innovative Organisation zu werden."

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