Kryptowinter: Was machen Bitcoin Suisse, Crypto Finance und Sygnum?

19. Januar 2023 um 13:44
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Foto: NOAA / Unsplash

Inmitten der wirtschaftlichen Turbulenzen und nach dem FTX-Konkurs entlassen grosse Kryptobörsen massenhaft Angestellte. Wir haben bei drei grossen Schweizern nachgefragt.

Der Kryptowinter fordert mehr und mehr Opfer. Ende letzte Woche kündigte Crypto.com an, wegen "anhaltendem wirtschaftlichem Gegenwind und unvorhersehbaren Branchenereignissen" jeden fünften Angestellten zu entlassen. Anfang letzter Woche hatte Coinbase dasselbe verkündet. CEO Brian Armstrong schrieb in einem Blogbeitrag, man wolle die Betriebskosten um einen Viertel senken und müsse 950 Mitarbeitende entlassen. Die beiden Kryptobörsen hatten bereits 2022 mit Entlassungen auf den Abschwung reagiert – das war offenbar nicht genug.
Die Handelsplattform Coinbase zählt nach eigenen Angaben rund 4700 Mitarbeitende in über 100 Ländern, Crypto.com beschäftigte 2021 noch rund 3000 Personen. Die Schweizer Finanzdienstleister im Kryptobereich sind vergleichsweise klein. Laut dem letzten Crypto Valley Report vom Januar 2022 beschäftigt Bitcoin Suisse 240 Personen. Sygnum Bank zählt nach eigenen Angaben rund 240 Mitarbeitende, Crypto Finance 120. Wie sieht es bei den Firmen aus?
Bitcoin Suisse: "keine Mitarbeitende abgebaut"
Bitcoin Suisse hatte noch im November eine Mitteilung verschickt: Man sei "weiterhin stark während des FTX-Kollaps". Die Firma wickelt für ihre Kunden auf bekannten Plattformen Handel ab und bewahrt Kryptowährungen auf. "Wir beobachten die Situation im Zusammenhang mit FTX weiterhin genau und werden im Einklang mit unserem strikten Risikomanagement geeignete Massnahmen ergreifen", hiess es im letzten Herbst Einklang mit den überwiegend positiven Stimmen aus dem Crypto Valley.
Auf Nachfrage heisst es nun: "Bitcoin Suisse hat bislang keine Mitarbeitenden abgebaut. Damit sind wir fast die einzigen am Markt." Man habe in der langen Geschäftstätigkeit schon mehrere Kryptowinter erlebt und sei immer gestärkt daraus hervorgegangen, zeigt sich Kommunikationschefin Verena Schwarz zuversichtlich. Man könne aber angesichts des schwierigen Umfelds auch keine künftigen Massnahmen ausschliessen. Auf der Website sind per Mai 2022 fast 300 Mitarbeitende aufgeführt, rund 250 davon in der Schweiz.
Crypto Finance: Allgemeine Ausführungen
Fragen zu Entlassungen und konkreter Strategie wollte sich Crypto Finance nicht beantworten. Allgemein heisst es auf Anfrage: "Die jüngsten Ereignisse haben zu einem zunehmenden Misstrauen gegenüber der Branche geführt und die Finanzinstitute und den Sektor insgesamt noch vorsichtiger werden lassen." Man schlage ein hybrides Regulierungssystem vor, das in der traditionellen Finanzwelt üblichen Methoden, etwa Wirtschaftsprüfung, Risikomanagement, Governance und Know-Your-Customer (KYC) nutze, aber zugleich der öffentlichen Blockchain gerecht werden. "Als Teil der Gruppe Deutsche Börse ist Crypto Finance auch weiterhin ein Grundpfeiler der Stabilität in einem volatilen und unberechenbaren Markt", preist sich das Unternehmen an.
Im Gegensatz zu Bitcoin Suisse hält Crypto Finance eine Lizenz der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma). Erstere ist Mitglied im Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF) und dessen Vorschriften unterworfen. Chancen auf eine Banklizenz hatte die Finma im Frühling 2021 als ungünstig eingestuft, woraufhin Bitcoin Suisse ihr Bewilligungsgesuch zurückzog. Anders sieht es bei der Sygnum Bank aus, die ebenfalls von der Finma lizenziert wurde.

Sygnum: Geldzufluss aus unregulierten Börsen

Auch bei Sygnum heisst es, man habe aufgrund der jüngsten Entwicklungen keine Entlassungen aussprechen müssen und plane dies derzeit auch nicht. "Wir verfügen über ausreichend Kapital, um unsere Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen, die wir als regulierte Schweizer Bank einhalten müssen", schreibt Marketing-Chef Jonathan Tan. Man müsse sich aber aufgrund der Unsicherheiten bei den Einstellungsplänen "disziplinieren".
Im letzten Quartal flossen auf die Plattform von Sygnum nach eigenen Angaben rund 850 Millionen Franken an neuen Geldern. Vieles stamme von Kunden, die ihre Vermögenswerte von unregulierten Börsen transferierten, heisst es von der Finanzinstitution. Man erwarte weitere Entwicklungen in diese Richtung, fasst das Unternehmen den offiziellen Optimismus im Crypto Valley zusammen. Angesichts der Entwicklungen und der Anstrengungen von Regulatoren könnte die verhältnismässig stark regulierte Kryptofinanzbranche in der Schweiz profitieren, hofft man dort.
Korrigendum 17:15: Crypto Finance korrigiert die Zahl der Mitarbeitenden aus dem Crypto-Valley-Report: Statt 54 beschäftigt man dort nach eigenen Anfragen 120 Personen. 25.01: Sygnum korrigiert die Angaben ebenfalls: Man zähle mittlerweile 240 statt 120 Beschäftigte weltweit.

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