Logitech muss neuen CEO suchen

14. Juni 2023 um 06:20
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Bracken Darrell.

Nach 10 Jahren an der Spitze des Unternehmens tritt Bracken Darrell per sofort zurück.

Stabübergabe an der Spitze des Computerzubehör-Herstellers Logitech: CEO Bracken Darrell tritt per sofort von seinem Amt zurück. Ad Interim übernimmt Verwaltungsratsmitglied Guy Gecht, wie Logitech mitteilte.
Gecht werde den Job so lange ausführen, bis ein Nachfolger für Darrell gefunden sei, hiess es weiter. Gecht ist laut Communiqué seit 2019 im Verwaltungsrat des Westschweizer Unternehmens.
Darrell wiederum werde Logitech verlassen, um einen Job ausserhalb des Unternehmens anzunehmen. Wie am 20. Juni bekannt wurde, wird er Mitte Juli eine Stelle bei der VF Corporation, bekannt für Marken wie Vans, The North Face und Timberland, übernehmen.
Als Darrell im April 2012 als Retter in der Not zu Logitech kam, steckte der Mäuse- und Tastaturhersteller in einer tiefen Krise. Die Aktien waren nach einem Hoch von 40 Franken auf 7 Franken abgestürzt. Das Unternehmen hatte Trends wie das Smartphone und Tablets verschlafen. Zudem häuften sich die Managementfehler, etwa bei Zukäufen. Viele Experten rechneten damals sogar mit einem baldigen Ende des Unternehmens. Die Ernennung Darrells kam überraschend, denn er hatte sich in der IT-Branche bisher keine Sporen abverdient. Vor seinem Engagement bei Logitech war er im Management des Haushaltsgeräteherstellers Whirlpool tätig und davor hatte er mehr als ein Jahrzehnt beim Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble gearbeitet, wo er zuletzt als Präsident von Braun vor allem mit Rasierapparaten beschäftig war.

Aufbau von Logitech zum Weltkonzern

Entgegen aller Erwartungen vermochte Darrell das Ruder beim Westschweizer Logitech-Konzern schnell wieder herumzureissen. Er brachte mit der von ihm beschworenen Startup-Mentalität wieder frischen Wind in das Unternehmen und schuf Raum für Innovationen. Zudem richtete er das Unternehmen neu aus, reduzierte die Produktpalette radikal und fokussierte sich wieder stärker auf den Konsumenten. Zudem setzte der ehemalige Kunststudent einen stärkeren Fokus auf das Design. Auch Wachstumstrends wie etwa im Bereich Computerspiele und Smart Home konnte das Unternehmen für sich nutzen. Damit spielte Logitech bei den Peripheriegeräten plötzlich im Konzert der Grossen wie Apple, Microsoft oder JBL mit. Nach einem Verlust von fast 250 Millionen US-Dollar 2013 konnte das Unternehmen 2014 wieder einen kleinen Gewinn ausweisen. Seitdem ist Logitech in der Gewinnzone. Seit 2016 konnte das Unternehmen zudem seinen Umsatz stetig steigern. Mit der Corona-Krise setzte bei Logitech sogar ein regelrechter Boom ein. Die stark gestiegene Nachfrage nach Headsets, Kameras, Computermäusen und Tastaturen für das Arbeiten im Homeoffice trieben Umsatz und Gewinn in neue Sphären.

Abschwung nach dem Corona-Boom

Nach dem Corona-Boom setzte ab Mitte 2021 jedoch ein Abschwung ein. Die Nachfrage, vor allem nach Geräten für das Homeoffice, brach ein. Daher gaben auch Umsatz und Gewinn von Logitech wieder deutlich nach. Die Aktien sackten auf rund 60 Franken ab und sind seitdem in etwa stabil auf diesem Niveau. Die Papiere sind aber immer noch höher notiert als vor der Krise. Auch beim Umsatz und Gewinn liegt Logitech immer noch deutlich über den Vorkrisenwerten. Darrell zeigte sich bisher in Interviews optimistisch, dass Logitech langfristig weiter wachsen wird. So würden etwa Trends wie das Metaverse, die zunehmende Verbreitung der Video-Telefonie und das Wachstum im Bereich E-Sports für das Unternehmen sprechen. Umso überraschender kam nun seine Rücktrittsankündigung – ähnlich wie einst seine Ernennung. Damit geht bei Logitech ein prägendes Jahrzehnt zu Ende. Logitech verliert eine Person an der Spitze, die als das Gesicht des Unternehmens wahrgenommen wurde. Mit einem für Konzernchefs untypischen Auftreten hatte sich Darrell einen Namen gemacht und seine Erfolge sprechen für sich. Er hinterlässt seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin daher grosse Fussstapfen. An den Börsen kam der Rücktritt Darrells schlecht an. Die Papiere von Logitech büssten im frühen Handel zeitweise fast 10% ein.
"Wir danken Bracken für seine Führung in einer spannenden Ära der Transformation bei Logitech. Während seiner zehnjährigen Tätigkeit als CEO überwachte Bracken eine Periode beständigen Wachstums und trug dazu bei, Logitech zu einem preisgekrönten Designunternehmen zu machen, das für seine unvergleichliche Produktinnovation bekannt ist", so die Mitteilung des Unternehmens. Update 13 Uhr: Der Artikel wurde mit dem Rückblick auf Darrells Zeit bei Logitech ausführlich ergänzt.
Update II (20. Juni): Der Artikel wurde um die neue Stelle von Darrell ergänzt.

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