Der US-TV-Sender 'Fox News' hat in der Nacht auf heute einen Teil eines Interviews mit Elon Musk ausgestrahlt, das von einer Vielzahl von US-Medien aufgegriffen wurde. Darin ging es darum, was er mit seinem neu gegründeten Unternehmen X.ai auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz vorhat und was seine Motivation ist. Das Interview ist unseres Wissens nach nicht online. In dieser
Vorschau von 'Fox News' findet man einige Auszüge.
Unter anderem sagte Musk laut den Berichten, dass er ein Unternehmen schaffen wolle, welches das Trio OpenAI, Microsoft sowie Google im Bereich generative KI herausfordern könnte. Das wäre gut. Ernsthafte Konkurrenz zu den Internetriesen Microsoft und Google ist sicher willkommen.
Die Zerstörung der Zivilisation durch ChatGPT
Was Musk aber sonst so sagte, ist meiner Meinung nach eine Mischung von Grössenwahn, aus den Fingern gesogenen Theorien, welche die Aluhut-Fraktion stolz machen würden, und Angstmache vor der Konkurrenz.
So meinte er beispielsweise, dass KI das "kleine, aber nicht triviale" Potential zur "Zerstörung der Zivilisation" habe. Musks weisen Worten mit grossen Augen folgender Gesprächspartner Tucker Carlson malt dies in der oben verlinkten Vorschau noch weiter aus. Musk warne schon seit Jahren davor, dass KI "so gefährlich wie Atomwaffen" sei. Möglicherweise seit ihm das Unternehmen OpenAI, in das er zuerst investiert hatte, "weggenommen wurde"?
Alles politisch korrekte Lügner
Die KIs der Konkurrenz, so Musk weiter, würden "dazu trainiert, um zu lügen" und "Dinge zu verschweigen", um "politisch korrekt" zu sein. Für Tucker Carlson und seine Fox-Mitstreiter ist dies ein Anlass für Spekulationen über "linke Programmierer", die Regierung und deren Versuch, die Gedanken der US-Bevölkerung zu kontrollieren.
Und inwiefern soll die von Musk herbeifantasierte KI, die er wohl "TruthGPT" nennen will, anders werden? Nun, es soll eine "maximal wahrheitssuchende KI" werden, welche nichts weniger als "die Natur des Universums" erkunden kann. Ein hochgestecktes Ziel.
TruthGPT, Hüter der Schimpansen und Menschen
Und darüber hinaus soll TruthGPT wohl letztendlich zum Hüter der Menschheit werden. Denn, so führt Musk aus, wenn die KI danach strebe, die Natur des Universums zu entdecken, werde es unwahrscheinlich sein, dass sie versucht, die Menschheit auszurotten, weil Menschen schliesslich ein "interessanter Teil" des Universums seien. TruthGPT könnte demnach ähnlich agieren wie Menschen, die den Lebensraum von Schimpansen schützen wollen, obwohl sie die Möglichkeit hätten, sie alle zu "jagen und zu töten".
So schön und sehr beruhigend. Falls Musks KI allerdings nicht auf einem völlig anderen Prinzip als alle anderen KIs beruht, wird auch diese KI von Menschen trainiert werden. Von Menschen, die von Musk bezahlt werden und ihr sagen, welche ihrer Schlüsse korrekt sind und wo sie falsch liegt. Die "Wahrheit", die sie sagt, wird also von Musk kontrolliert werden, genauso wie, wie ich eingestehe, die "Wahrheit" von ChatGPT und Bard letztendlich von Microsoft und Google kontrolliert wird. Im Unterschied zu Musk, der quasi nur sich selbst verpflichtet ist, sind das aber immerhin börsenkotierte Unternehmen, die ihren Aktionären Rechenschaft schuldig sind.
Interessant übrigens auch, als mein letzter Gedanke, dass der Name "TruthGPT" doch sehr stark an Donald Trumps soziales Netzwerk "Truth Social" erinnert. Und dass er den bekannterweise der Wahrheit verpflichteten Sender Fox News als Plattform für seine Aussagen und den ebenso bekannterweise der Wahrheit verpflichteten Trump-Fan Tucker Carlson als Gesprächspartner wählt.