Medikationsfehler, Stürze oder auch der Umgang mit gewalttätigem Verhalten: Spitäler sind mit allen möglichen unerwünschten Ereignissen konfrontiert, die meldepflichtig sein können – unabhängig davon, ob sie konkrete Folgen für Patienten hatten oder nicht.
Genau hier wollen die Universitätsspitäler Basel (USB) und Lausanne (CHUV) sowie das Tessiner Kantonsspital künftig Künstliche Intelligenz einsetzen. Federführend ist das CHUV, das für die Durchführung des Pilotprojekts von der Eidgenössischen Qualitätskommission 480'000 Franken erhalten hat. Das Pojekt läuft unter dem Namen "LLM4CIRS" – eine Abkürzung für "Large Language Model for Critical Incident Reporting Systems".
"Die Analyse der vielen Fälle ist sehr zeitaufwendig. Bei den Korrekturmassnahmen gilt es, jene umzusetzen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Und genau hier kann die KI helfen", sagt Joachim Rapin, Stellvertreter der Pflegedirektion des CHUV und Projektleiter.
Der Mensch behält die Kontrolle
Mit dem Projekt soll das organisatorische Lernen, die Patientensicherheit und das Risikomanagement durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbessert werden. Die KI soll insbesondere die verschiedenen Arten von unerwünschten Ereignissen kategorisieren, zur Analyse beitragen und Korrekturen vorschlagen – auf der Grundlage der wissenschaftlichen Literatur.
Zu den Besonderheiten des LLM4CIRS-Projekts gehört eine mehrstufige Integration im Schweizer Gesundheitswesen. Die Lösung soll insbesondere ins Cirrnet (Critical Incident Reporting & Reacting Network) integriert werden, das nationale Netzwerk, das von der Stiftung Patientensicherheit Schweiz koordiniert wird. Dieses Netzwerk bündelt die lokalen Meldesysteme für Zwischenfälle im stationären und ambulanten Bereich und ermöglicht es den teilnehmenden Einrichtungen, Meldungen anonym an eine gemeinsame Datenbank zu übermitteln.
Das Tool soll zudem in Patbox.ch integriert werden, eine Plattform, über die Patienten, Patientinnen und ihre Angehörigen direkt Vorfälle melden können, die womöglich sicherheitsrelevant waren. Schliesslich soll die Technologie in drei grossen Spitälern in der französisch-, deutsch- und italienischsprachigen Schweiz zum Einsatz kommen: im CHUV, im Universitätsspital Basel und im Ente Ospedaliero Cantonale (EOC) im Tessin. Das Instrument wird danach vom Universitätsinstitut für Ausbildung und Forschung im Gesundheitswesen in Lausanne evaluiert.