Neues Simap: einige Dienste der Ausschreibungsplattform werden kostenpflichtig

4. Juli 2022, 08:00
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Simap-Geschäftsführer Adriano Moser (sitzend, der Kamera zugewandt) und Vereins-Präsident Hans-Peter Wessels (stehend). Foto: Institut Public Sector Transformation (IPST) an der Berner Fachhochschule.

Simap zeigte an einem "Beschaffungsroundtable" den Stand der neuen Plattform. Das Publikum interessierte: werden durch Gebühren kleine Anbieter benachteiligt?

Über die Plattform Simap müssen öffentliche Institutionen und Betriebe mit einigen Ausnahmen ihre Aufträge für Dienstleistungen und Lieferungen über einer gewissen Preissumme ausschreiben. So soll sichergestellt werden, dass bei ihren Vergaben der Wettbewerb spielt und die Chancengleichheit gewahrt wird. 2021 wurden laut einer Statistik der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit auf der Plattform IT-Zuschläge in der Höhe von 3,75 Milliarden Franken erteilt. Simap ist aber in die Jahre gekommen und muss Ende 2023 vom Netz, dann soll eine neue Plattform stehen. Über den Stand des Projekts informierten nun der Präsident und der Geschäftsleiter des Trägervereins an einem Beschaffungsroundtable der Berner Fachhochschule (BFH) im Haus der Universität.
Das Interesse war gross. Kein Wunder, der erste Anlauf für eine neue Plattform war komplett in die Hose gegangen: Der erste Zuschlag für das Projekt "Simap2019" wurde im Mai 2017 an die griechische Firma European Dynamics (ED) erteilt, deren Standardlösung für Schweizer Vorgaben angepasst werden sollte. 2019 musste das Projekt abgebrochen werden. Für 600'000 Franken blieb eine "testfähige Basislösung" zurück, also kein produktives System. Das alte Simap blieb im Einsatz. Dieses ist allerdings wenig userfreundlich, selbst die Suchfunktion verlangt Nutzern einiges ab. Deren Anforderungen sollen nun im neuen Projekt "KISSimap" mehr Rechnung getragen werden, namentlich durch regelmässige Feedbacks, sagte Simap-Geschäftsführer Adriano Moser in Bern.

Schritt für Schritt zur neuen Plattform

Realisieren soll die neue Plattform für 2,8 Millionen Franken die Digitalagentur Unic, der Auftrag für Hosting und Support ging für 3,3 Millionen Franken an Begasoft. Auch der neue Anlauf ist nicht ohne Probleme gestartet: Der Launch musste wegen höherer Komplexität, zusätzlichen Funktionalitäten und ausstehenden Spezifikationen von Umsystemen bereits vertagt werden. Zuletzt wurde er von Anfang 2023 auf Mitte des Jahres verschoben. Qualität komme vor Geschwindigkeit, unterstrich Moser vor dem Publikum, Juli nächstes Jahr stehe als Launchtermin.
Und vom gescheiterten ersten Versuch hat man offenbar gelernt: KISSimap soll Schritt für Schritt bis 2026 eingeführt werden. Im Juli 2023 wird die neue Plattform zwar live gehen und ein halbes Jahr im Parallelbetrieb mit dem heutigen Simap laufen. Erstmal kommen aber wenige neue Funktionalitäten dazu: So sollen Bietergemeinschaften einfacher kommunizieren können, auch sollen mehrstufige Wettbewerbe sowie Einladungsverfahren möglich sein. Zudem erhält das neue System Schnittstellen für die Umsysteme der User und für Erweiterungen. Danach sollen bis 2026 in mehreren Schritten auch ein Forum sowie weitere Schnittstellen und eine Anbindung an die EU-Ausschreibungsplattform dazu kommen. Zuletzt könnten User auch Unterlagen wie einen Handelsauszug hinterlegen, hiess es an der Präsentation.

Werden Zusatzdienste kostenpflichtig?

Zu reden gab im Publikum in Bern aber vor allem die Frage der kostenpflichtigen Dienste. Simap-Präsident Hans-Peter Wessels präsentierte Auszüge aus dem neuen Beschaffungsgesetz (BöB). Dieses sieht vor, dass der Zugang zu den Publikationen kostenfrei sein muss. Für weitere Leistungen könnte hingegen Geld verlangt werden, steht dort, was Wessels als Wille des Gesetzgebers für eine Gebührenerhebung interpretierte. Solche Zusatzdienste könnten etwa Abos für die Benachrichtigung bei neuen Ausschreibungen oder auch das Hinterlegen von Standardqualifikationen sein. "Welche Gebühren in Zukunft für welche Services erhoben werden, muss noch diskutiert werden", sagte Wessels und fragte das Publikum, vorranging Beschäftigte bei Beschaffungsstellen und Anbietern, nach ihren Inputs.
Deren Meinung war geteilt: Es sei in Ordnung für Dienste, die nicht Standard seien und Arbeitsaufwand ersetzen, Gebühren zu verlangen, hiess es etwa. Andererseits wurde eingewandt, dass Gebühren wiederum die kleinen Anbieter – die ohnehin oftmals vor den komplexen Ausschreibungsverfahren kapitulieren – benachteiligen könnten. Wer sich zwei Mal im Jahr für einen kleinen Auftrag bewerbe, wolle auch keine grössere Summe für einen Dienst ausgeben. Weil aber bei Ausschreibungen die Chancengleichheit gewahrt sein muss, könnte dies der Gesetzesgrundlage widersprechen.
Wohin die Reise des neuen Simap tatsächlich geht, ist noch offen. Dutzende von Wünschen und Anforderungen an das neue System seien bereits eingegangen, erklärte Moser in seiner Präsentation. Man wünsche sich zusätzlich regelmässige Rückmeldung auch von Anbietern, unterstrichen die Simap-Vertreter, die für Feedback ein Forum auf ihrer Website aufgeschaltet haben.

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