Nexplore baut neue Lagebild-App für 20 Schweizer Polizeikorps

9. September 2022, 09:42
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Könnte statt Google Maps zum Einsatz kommen: OpenStreetMap

Im Frühling hatte der Luzerner Datenschützer eine App der Polizei wegen der Anbindung von Google-Diensten kritisiert. Sie soll nun 2024 abgelöst werden.

Im Frühling haben rund 20 Schweizer Polizeikorps eine neue Applikation für ein integriertes Lagebild ausgeschrieben. Damit wollen sie sich eine Übersicht über die Lage in ihrem Einsatzgebiet verschaffen, wenn sie ihrer Arbeit nachgehen. Polizistinnen und Polizisten können dazu Einschätzungen, Massnahmen sowie Informationen über Events einspeisen und ihre Kollegen lokalisieren.
Genau das hatte im Frühling für Diskussionen gesorgt. Eine Webapplikation, die bei mehreren Polizeikorps im Einsatz ist – darunter St. Gallen, Zürich, Basel-Stadt, Graubünden, Thurgau und Luzern – war mit Google-Diensten verknüpft. Der Luzerner Datenschützer fürchtete, dass Daten in die falschen Hände gelangen könnten. In der Kritik stand eine Applikation von Online Consulting, die von der Kantonspolizei St. Gallen mitenwickelt worden war.
Im April war eine neue Lösung ausgeschrieben worden, welche die bisherigen Applikationen ablösen soll. Nun hat die Organisation Polizeitechnik und Informatik Schweiz (PTI), die für Polizeikorps ICT-Produkte beschafft, den Zuschlag vergeben. Gewinner ist die Firma Nexplore aus Thun, die das System für rund 1,8 Millionen Franken entwickeln soll – davon ist rund 1 Million als Grundauftrag vorgesehen, der Rest wird optional bei Bedarf eingesetzt.
Im neuen System werden zusätzliche Funktionalitäten integriert und es wird der Hauptkritikpunkt des Luzerner Datenschützers aufgenommen: Google Maps fliegt raus. "Wir haben im Vorfeld der Beschaffung mit Privatim, der Konferenz der schweizerischen Datenschutzbeauftragten, das Gespräch gesucht", erklärte Daniel Hänni, stellvertretende Direktor bei der PTI, nach der Ausschreibung gegenüber inside-it.ch.
Als Web-Map-Services werden statt Google in den Ausschreibungsunterlagen Swisstopo, SwissMeteo und OpenStreetMap genannt. Ausserdem heisst es in den technischen Anforderungen: "Ein Datenabfluss zu Dritten durch Einbindung von Drittkomponenten ist nicht zulässig, oder muss sich mindestens auf nicht zuordbare Randdaten beschränken. Die Anbieterin muss aufzeigen, wie sie Datenabflüsse bzw. externe Abfragen im Architekturdesign verhindert."
Ab April 2024 soll das neue System schrittweise eingeführt werden.

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