Der KI-Boom lässt das Geschäft des Chipkonzerns Nvidia allen Zweiflern zum Trotz weiter explosiv wachsen. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 73% auf gut 68,1 Milliarden Dollar. Nvidia übertraf damit die Erwartungen der Wall Street.
Selbst im Vergleich zum Quartal davor gab es ein Plus von 20%.
Im vorigen Quartal ist der Umsatz um 22% gestiegen. Für das laufende Vierteljahr stellte Nvidia den nächsten Sprung in Aussicht. Anlegerinnen und Anleger liess die Rekordjagd kalt.
Tech-Riesen wie Google, Meta und OpenAI stecken gerade hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Es gibt Zweifel, ob diese gewaltigen Investitionen zurückverdient werden können. Nvidia profitiert jedoch unabhängig davon schon heute von der Ausgabefreudigkeit: Ein grosser Teil des Geldes fliesst in Chips des Konzerns.
Ausblick über Erwartungen
Nvidia widerlegte die Zweifel nun erneut mit einer Prognose für das laufende Vierteljahr, die über den Erwartungen der Analystinnen und Analysten liegt. Der Chipkonzern rechnet mit 78 Milliarden Dollar Umsatz, mit einer möglichen Abweichung von 2% nach oben oder unten. Experten hatten im Schnitt mit einer Prognose von rund 73 Milliarden Dollar gerechnet.
Unterm Strich sprang der Quartalsgewinn im Jahresvergleich um 94% auf knapp 43 Milliarden Dollar. Beim Ergebnis pro Aktie lag der Konzern über den Schätzungen der Analystinnen und Analysten. Einen Teil der hohen Gewinne investiert Nvidia in KI-Entwickler. In der Branche spricht man dabei von Kreislauf-Deals: Mit den Finanzspritzen kaufen die Entwicklerfirmen dann Halbleiter-Technik bei dem KI-Chip-Spezialisten.
Skeptische Börsen
Nvidia-Chef Jensen Huang bekräftigte in einer Telefonkonferenz mit Analystinnen und Analysten, die Computerwelt habe sich durch Künstliche Intelligenz verändert. In Zukunft werde es nur noch mehr Nachfrage nach Rechenleistung geben – womit sich auch schon jetzt Geld verdienen lasse. Computer-Kapazitäten führten zu Wachstum und dies wiederum bringe Umsätze. Finanzchefin Colette Kress sagte, Nvidia habe weiterhin Probleme, genug Chipsysteme produzieren zu lassen.
Anlegerinnen und Anleger zeigten sich allerdings unbeeindruckt. Der Kurs der Nvidia-Aktie drehte im nachbörslichen Handel während der Analystenkonferenz im Minus. Danach erholte sich der Aktienwert und notierte kaum verändert.
Weiter Unklarheit in China
Nach wie vor ist offen, wie es für Nvidia in China weitergeht. Die US-Regierung erlaubt zwar wieder den Verkauf von leistungsstarken Chips in das Land – für eine saftige Gebühr von 25%. Allerdings ist weiterhin unklar, ob die Regierung in Peking die dortigen Unternehmen diese Chips kaufen lässt. In den Prognosen von Nvidia wird deshalb immer noch kein potenzielles Geschäft in China berücksichtigt.
Speicher-Knappheit bremst Gaming-Geschäft
Der rapide Ausbau der Rechenzentren sorgt gerade für eine akute Knappheit bei Speicherchips – und das bremst wiederum das Geschäft von Nvidia mit Grafikkarten für Gamer, mit denen der Konzern einst gross wurde. Im vergangenen Quartal verpasste die Sparte mit Erlösen von 3,73 Milliarden Dollar die Erwartungen von Analystinnen und Analysten, die eher mit rund vier Milliarden Dollar gerechnet hatten.