Öffentliches Spital will sich an privatem EPD beteiligen

24. Februar 2023 um 16:04
image
Das Kantonsspital in Luzern. Foto: Luzerner Kantonsspital

Das Luzerner Kantonsspital steht vor einer Beteiligung an der IT-Firma Bluespace Ventures, die ein digitales Gesundheitsökosystem betreibt.

Das Luzerner Kantonsspital (Luks) strebt die Mitkontrolle über Bluespace Ventures an. Dies zeigen Recherchen von 'Medinside'.
Das IT-Unternehmen betreibt die Plattform "Compassana", die den Aufbau eines digitalen Gesundheitsökosystems verfolgt. Kernstück bildet eine App beziehungsweise ein Portal, welches die Koordination von ambulanten, stationären und digitalen Gesundheitsdiensten ermöglichen soll. Gleichzeitig soll das Projekt den Datenaustausch im Gesundheitswesen vereinfachen und damit den Weg für ein privates elektronisches Patientendossiers vorspuren.
Das Luzerner Kantonsspital bestätigt gegenüber 'Medinside', dass es mit der Firma Bluespace Ventures bezüglich einer Zusammenarbeit in Kontakt stehe. Als in der Digitalisierung schweizweit führende Spitalgruppe strebe die Luks-Gruppe eine Weiterentwicklung zum vernetzten Systemanbieter an.
Derzeit laufen gemäss Spital noch verschiedene Abklärungen. Sobald diese abgeschlossen seien, werde man offiziell informiert, heisst es weiter.
Das Gemeinschaftsprojekt Compassana ist wie die Plattform Well ein Versuch, auf privater Basis und verbunden mit der Effizienzhoffnung ein Gesundheitsnetzwerk zu bauen. Das Unternehmen mit Sitz in Dübendorf im Kanton Zürich ist eine gemeinsame Firma der privaten Leistungserbringer Medbase und Hirslanden mit den Versicherern Groupe Mutuel, Helsana und Swica.
Dem Vernehmen nach fliesst ein mittlerer, zweistelliger Millionenbetrag in den Aufbau des Netzwerks. Als Präsident des Verwaltungsrates wurde Marcel Napierala eingesetzt, der wiederum die Migros-Tochter Medbase leitet. Im Verwaltungsrat sitzen zudem die anderen Chefs der beteiligten Player: etwa Roman Sonderegger von Helsana oder Daniel Liedtke von Hirslanden. CEO ist Peter Mittemeyer, der zuvor als Strategiechef bei der CSS tätig war.

So eine Art EPD

Die Plattform Compassana ist nicht der erste Versuch, ein digitales Gesundheitsökosystem aufzubauen. Das Genfer "Mon dossier médical" war ein Vorreiter. Mit der Plattform konnten Genferinnen und Genfer ab 2013 auf eine elektronische Patientenakte zugreifen und kantonalen Gesundheitsakteure konnten ihre Daten elektronisch austauschen sowie Mehrwertdienste betreiben. Das System wurde von weiteren ausserkantonalen Gesundheitsinstitutionen eingesetzt, dann aber durch das EPD abgelöst. Das verursachte eine Lücke in den digital verfügbaren Dienstleistungen. Schweizweit arbeiten inzwischen mehrere Plattformen an einem digitalen Gesundheitsökosystem.
Auch "Cuore" gehört dazu: Erst kürzlich hat die Post die Plattform erweitert. Über diese bietet der Gelbe Riese eine Reihe von Services für verschiedene Akteure des Gesundheitswesens an, die als Managed Services bezogen werden können. Neu gehört auch das Angebot von Heypatient dazu. Die Services decken laut einer Mitteilung die Patienteninteraktion über die gesamte Behandlung ab.

Beteiligung offziell bestätigt

Am 1. März hat die Luks Gruppe die Aktienbeteiligung an Bluespace Ventures offiziell bestätigt. "Die Unterzeichnung der Verträge besiegelt eine weitere starke Partnerschaft für die Weiterentwicklung von Compassana", so die Mitteilung.
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Schwestermedium medinside.ch. Update 1.3.: Der Artikel wurde mit der offiziellen Bestätigung ergänzt.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Keine US-Cloud für Schweizer Gesundheitsdaten

Das Bundesamt für Gesundheit will beim Aufbau des Schweizer Gesundheitsdatenraums offenbar auf US-Technologie verzichten. Dem Plan stehen rechtliche Vorgaben entgegen.

publiziert am 11.5.2026
image

Glarner Informatikdienste versorgen auch Spitex

Der Spitex-Kantonalverband und mehrere Spitex-Organisationen beziehen künftig IT-Dienste von der kantonalen Informatikorganisation.

publiziert am 7.5.2026
image

Roche kauft KI-Firma PathAI für 750 Millionen

Durch die Integration des KI‑gestützten Bildsystems von PathAI will Roche Laborprozesse automatisieren und neue Diagnostik‑Tools entwickeln.

publiziert am 7.5.2026
image

Bund schafft Basis für textbasierte Notrufe

In der Schweiz sollen Notrufnummern künftig auch schriftlich in Echtzeit genutzt werden können. Der Bundesrat hat dazu mehrere Verordnungen angepasst, die Umsetzung wird jedoch noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

publiziert am 6.5.2026