Open Banking: Offene APIs reichen nicht

13. Mai 2022, 11:54
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Foto: Marcello Gennari / Unsplash

Das Thema Open Banking wird laut der aktuellen IFZ-Studie vielfach zu isoliert betrachtet und deshalb unterschätzt.

"Open Banking wird in der Finanzbranche aktuell immer noch unterschätzt, weil es in erster Linie als IT-Problem und nicht als strategische Herausforderung verstanden wird", so ein Fazit der Autoren der IFZ Open Banking Studie 2022.
Für die Studie wurden Interviews mit Vertretern von Banken, Versicherungen und Fintechs geführt. 17% der befragten Retail-Banken haben sich mittels APIs bereits gegenüber Drittanbietern geöffnet. Allerdings gaben 60% an, dies erst zu planen.
Gefragt danach, in welchen Bereichen sich die Banken öffnen wollen, stehen Payment-Systeme ganz oben: 77% der Banken wollen bis Ende 2024 eine entsprechende Open-Banking-Lösung einführen. Dahinter folgt ein Multibanking-System für KMU. Fast die Hälfte der befragten Banken plant, in den nächsten drei Jahren auch Anbindungen zu Online-Buchhaltungssystemen wie Bexio oder Abaninja. Weitere Bereiche betreffen Schnittstellen zu externen Vermögensverwaltern oder Hypotheken-Brokern.
"Zusammenfassend lassen sich die heutigen Wertschöpfungsmodelle von Schweizer Banken als weitestgehend in sich geschlossen sowie nur begrenzt digital und agil beurteilen", zitiert die Studie einen Bericht der Bankiervereinigung. Die Schweizer Banken hätten also noch einen Weg vor sich, so ein Fazit der Autoren

IT treibt das Thema voran

Unstrittig liegt aber das Thema Open Banking klar im Trend, führt die Studie aus. Angetrieben werde es einerseits durch Kundenbedürfnisse, durch neue Lösungen von Fintechs, aber auch durch die Einschätzungen namhafter Beratungsunternehmen.
Interessant sei, so ein weiteres Resultat der Autoren, dass bei zwei Drittel der befragten Institute der wichtigste Treiber für Open Banking die IT sei. Die Geschäftsleitung als Treiber liege dahinter, wenn auch knapp.
Dies sehen die Autoren als Problem, denn das Thema sollte als strategische Herausforderung verstanden werden und nicht als IT-Problem. Der Fokus liege häufig zu schnell auf den technischen Fragen, etwa den offenen APIs, anstatt zunächst die strategischen Grundlagen zu erarbeiten. Open Banking sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Kontext mit anderen technologischen Entwicklungen, wie Analytics und KI.
Aus strategischer Sicht sei die Schaffung von offenen Mindsets wichtig. Ebenso müssten Fragen im Zusammenhang mit der zunehmend aufgespaltenen Wertschöpfungskette beantwortet werden. Daneben sollten die Banken definieren, mit welchen Partnern sie zusammenarbeiten wollen und wie das Geschäftsmodell ausgestaltet sein soll.
Auch für die IT-Verantwortlichen haben die Studienautoren ein paar Fragen zusammengetragen: Wie kann von der zunehmenden IT-Standardisierung profitiert werden, und wie lassen sich, basierend auf den neuen Ökosystemen, neue Geschäftsmodelle schaffen? Weitere Herausforderungen betreffen das Kernsystem, das auf neue Ökosysteme und Microservices trifft.
Die Entwicklung von Open Banking sei nur der Anfang einer umfassenden Veränderung, bilanzieren die Autoren. Denn diese Veränderung werden die Geschäftsmodelle, die Kernprozesse und die zentralen IT-Systeme grundlegend infrage stellen.
Die IFZ Open Banking Studie 2022 basiert auf der Fintech-Studie 2021 sowie Fachinterviews, die zwischen November 2021 und Februar 2022 durchgeführt. Die vollständige Studie steht auf der Website der HSLU zum Download bereit.

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