Kommando Cyber verabschiedet sich von Microsoft

13. Juli 2026 um 12:13
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Statt mit M365 sollen die Cyberspezialisten der Armee schon ab Oktober mit Opendesk arbeiten. Grund ist der "US Cloud Act".

In seinen letzten Wochen als Armeechef forderte der abtretende Thomas Süssli im vergangenen Herbst eine Private-Cloud-Lösung für die Schweizer Armee. In einem Brief an die Bundeskanzlei äusserte er sich auch kritisch zum Einsatz von Microsoft 365. Die Lösung biete keinen Mehrwert, weil sie für die Armee zum grossen Teil gar nicht nutzbar sei. Als geheim oder vertraulich klassifizierte Dokumente dürfen gemäss Weisung des Bundes nicht in M365 gespeichert und bearbeitet werden. Der Grossteil der militärischen Dokumente seien jedoch klassifiziert, was die Anwendung entscheidend einschränke.
Auf diese Problematik hat das Kommando Cyber jetzt reagiert, wie die 'Republik' (Paywall) berichtet. Das Kommando ist für den Schutz der IT-Systeme der Armee vor Cyberangriffen verantwortlich und kann auch selbst Operationen durchführen. Anstatt mit Produkten von Microsoft sollen dessen Angehörige künftig mit der Open-Source-Lösung Opendesk arbeiten. Der Zeitplan ist ambitioniert: Schon im Oktober 2026 soll die Umstellung erfolgen. Die Bundeskanzlei bestätigte das Vorhaben gegenüber dem Online-Magazin.

Vorteile von Open Source

Divisionär Simon Müller, Chef des Kommando Cybers, äusserte sich kürzlich an einem öffentlich einsehbaren Vortrag am Parldigi-Dinner in Bern zu Open Source. Der 'Republik' erklärte er: "Solange Unternehmen Gesetzen wie dem US Cloud Act unterliegen, sind sie für gewisse militärische Kontexte nicht mehr nutzbar." Es bestehe die Gefahr, dass versteckt Daten zu ausländischen Sicherheitsbehörden abfliessen könnten. M365 sei eine sehr gute Lösung, "aber für eine Armee wie uns, die einen höheren Anspruch an Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität ihrer Daten stellt, ist sie nicht geeignet".
Am Parldigi-Dinner betonte Müller einen weiteren Vorteil von Open Source für die digitale Souveränität der Armee. So könnte es sein, "dass ein Hersteller (von proprietärer Software) eine super aggressive Lizenzstrategie fährt. Und wir wollen nicht weiter dieser Lizenzstrategie ausgesetzt sein."
Marcel Matthey-Doret von der Kommando-Cyber-Untereinheit CEA erklärte am selben Anlass, man wolle nicht nur Konsument von Open Source sein, sondern auch als Produzent etwas dafür tun. Als Beispiel erwähnte er die vom Kommando entwickelte Analysesoftware "Loom" für Dokumentenarchive. Diese soll vollkommen autark funktionieren und wird unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht.

Auch Zürich prüft Opendesk

Das Kommando Cyber ist nicht die einzige Schweizer Behörde, die sich mit Opendesk als möglicher M365-Ersatz beschäftigt. Die Informatikabteilung der Stadt Zürich (OIZ) hat gemeinsam mit der Berner Fachhochschule Szenarien in Bezug auf die digitale Souveränität geprüft.
Der im Mai dazu veröffentlichte Bericht kommt zum Schluss, dass für die OIZ aktuell eine Abkehr von M365 und eine Migration auf Opendesk noch nicht in Frage komme. Trotzdem soll mit der Open-Source-Lösung noch in diesem Jahr in der produktiven Umgebung ein Praxistest durchgeführt werden. Damit sollen vertiefte Erkenntnisse beispielsweise zu Informationssicherheit, Betriebsautomatisierung und Parallelbetrieb gewonnen werden.


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