Orell Füssli vertreibt nicht nur Bücher und stellt Banknoten sowie Sicherheitspapiere her. Das Unternehmen verkauft auch Sicherheitstechnologien und Identifikationssysteme. Gerade im Digitalbereich ergeben sich dadurch immer wieder neue Geschäftsfelder für das Schweizer Traditionsunternehmen. Nun wurde bekannt, dass Orell Füssli auch bei der E-ID mitmischen will.
Dafür hat der Buchhändler bereits mehrere Millionen investiert und 2021 die Firma
Procivis übernommen. Seit einem Jahr entwickeln 20 Mitarbeitende eine von Grund auf neue Software für eine digitale ID, schreibt der
'Tages Anzeiger'. "Wir erfüllen sämtliche bekannten Anforderungen für die technische Umsetzung der künftigen Schweizer E-ID", sagte Désirée Heutschi, Co-CEO von Procivis und Leiterin Unternehmensentwicklung bei Orell Füssli, gegenüber der Zeitung.
Bund arbeitet an eigener E-ID
Das grosse Problem dabei: Orell Füssli hat dafür keinen Auftrag vom Bund. Und wird vielleicht auch nie einen kriegen, denn der Bund möchte die Software für die E-ID weitestgehend selber entwickeln, wie Rolf Rauschenbach vom Bundesamt für Justiz gegenüber dem 'Tages Anzeiger' sagte. Die Justizbehörde hat den Lead bei der E-ID und das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) ist für die Entwicklung der Software zuständig.
Der Bund könnte die Software auch einkaufen, doch er möchte einen Grossteil der vorgesehenen Projektkosten von 25 bis 30 Millionen Franken intern ausgeben. Ein erstes Pilotprojekt soll in einem halben Jahr im Kanton Appenzell Ausserrhoden starten. Dort ist ein elektronischer Lernfahrausweis geplant, der später auch in anderen Kantonen eingeführt werden soll. Die eigentliche E-ID folgt dann frühestens 2027.
Eine Fehlinvestition?
Der 'Tages Anzeiger' hat den Buchhändler auf diese Tatsache aufmerksam gemacht. "Uns ist bewusst, dass der Staat die künftige E-ID herausgeben und die Infrastruktur dazu betreiben wird. Wir sehen uns als Technologiedienstleisterin, die für den Bund Softwarekomponenten für die technische Umsetzung des künftigen E-ID-Systems liefern möchte", entgegnete Desirée Heutschi. Überdies könne man die Software auch international anbieten. Erste Gespräche seien bereits im Gang.
Und auch in der Schweiz gibt es noch Hoffnung. Sollte die Orell-Füssli-Tochter nicht mit dem Bund ins Geschäft kommen, könnte sie ihre Software alternativ immer noch an Firmen, Kantone und Gemeinden verkaufen. Zudem ist es auch nicht ausgeschlossen, dass der Bund am Ende von seiner Eigenentwicklung nicht überzeugt ist. Dann stünde neben Orell Füssli aber auch die Post mit ihrer Swiss ID bereit, um zu übernehmen.