Parlament will Meldepflicht bei Cyberangriffen

1. Juni 2023 um 07:19
  • security
  • parlament
  • cyberangriff
  • bund
image
Kernkraftwerk Gösgen. Foto: Ch-info.ch / Wikimedia unter Lizenz CC BY-SA 3.0

Nach dem Nationalrat will nun auch der Ständerat Betreiber von kritischen Infrastrukturen dazu verpflichten, Cyberangriffe zu melden.

Betreiber kritischer Infrastrukturen sollen Cyberangriffe mit grossem Schadenspotenzial künftig melden müssen; dies innerhalb von 24 Stunden. Das hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat entschieden. Wer der Meldepflicht vorsätzlich nicht nachkommt, riskiert eine Busse bis zu 100'000 Franken.
Die kleine Kammer hiess die nötigen Änderungen im Informations­sicherheits­gesetz als Zweitrat mit 42 zu 0 Stimmen gut. Der Nationalrat hatte im März auf Antrag seiner Sicherheitspolitischen Kommission (SIK-N) eine Ausweitung der Meldepflicht beschlossen. Diese soll nicht nur Cyberangriffe mit grossem Schadenspotenzial umfassen, sondern auch schwerwiegende Schwachstellen in Computersystemen. Die Mehrheit im Nationalrat versprach sich davon eine präventive Wirkung.

Vor dem Inkrafttreten dreht das Gesetz noch eine Runde

Der Ständerat lehnte diese Ausweitung mit 31 zu 13 Stimmen ab. Die Mehrheit erachtete die Meldepflicht als nicht zielführend, da nicht genügend Klarheit über die Anzahl betroffener Unternehmen sowie die Art der zu meldenden Schwachstellen bestehe. Deshalb geht die Vorlage zur Differenzbereinigung zurück an den Nationalrat.
Heute fehle eine Übersicht darüber, welche Angriffe wo stattgefunden hätten, da Meldungen an das NCSC freiwillig seien, schrieb der Bundesrat in der Botschaft. Durch die Meldepflicht sollen künftig alle Betreiberinnen und Betreiber kritischer Infrastrukturen am Informationsaustausch teilnehmen und so zur Frühwarnung beitragen. Verteidigungsministerin Amherd sah die Freiwilligkeit beim Melden an Grenzen gekommen. Einige Unternehmen meldeten Vorfälle. Andere hingegen verzichteten darauf, profitierten aber von Meldungen anderer. Eine Meldepflicht gebe es in vielen Ländern, in der EU seit 2018.

Loading

Mehr zum Thema

image

Security-Fachleute misstrauen KI – mehr oder weniger

KI kann die Effizienz erhöhen, aber manche fühlen mehr Stress als früher.

publiziert am 15.7.2026
image

SAP schliesst 20 Sicherheitslücken

Der Softwarekonzern hat in Kooperation mit Sicherheitsspezialisten mehrere Löcher in seinen Geschäftsanwendungen gestopft. Vier davon sind als besonders kritisch eingestuft.

publiziert am 15.7.2026
image

Microsofts Monster-Patch-Tuesday

Der Software-Riese will diesen Monat nicht weniger als 622 Sicherheitslücken in seinen Produkten schliessen.

publiziert am 15.7.2026
image

Kundendaten der Industriellen Werke Basel gestohlen

Bei einem Dienstleister des Basler Energieversorgers haben Cyberkriminelle einen Adressdatensatz erbeutet. Die kantonale Datenschutzbeauftragte sieht ein geringes Risiko.

publiziert am 15.7.2026