35-Millionen-Auftrag der IGS geht wieder freihändig an Löwenfels

3. Februar 2021 um 15:44
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Mit einer Auftragsverlängerung der Informatikgesellschaft für Sozialversicherungen (IGS) sichern sich die Luzerner abermals einen Grossauftrag.

In der Schweiz sind Aufträge selten, die in der Grössenordnung von 35 Millionen Franken ohne Ausschreibung vergeben werden. Es verwundert also nicht, dass schon im Jahr 2016 gefragt wurde, warum die Informatikgesellschaft für Sozialversicherungen (IGS) einen Auftrag in der Höhe von 41 Millionen Franken für 4 Jahre freihändig an die Luzerner Software-Schmiede Löwenfels vergeben hat.
Nun wiederholt sich die Situation einer Freihandvergabe bei dem IT-Kompetenzzentrum für die Liechtensteiner und die 20 kantonalen Sozialversicherungsanstalten und Ausgleichskassen. Diesmal handelt es sich um ein Volumen von 35 Millionen Franken, mit dem die Weiterführung der AMS-Leistungen (Application Management Services) und mögliche Weiterentwicklungen für weitere 4 Jahre sichergestellt werden, wie Ivan Salton, Leiter Management Services bei IGS, auf Anfrage von inside-it.ch mitteilt.
Konkret geht es bei dem Auftrag um die Beitragsapplikationen, die bereits bei 19 von 21 Gesellschafterinnen im Einsatz sind und durch Löwenfels im Bereich Application Management betreut werden, wie Salton erklärt. "Das Application Management umfasst sowohl den Support und die Wartung des bestehenden Systems als auch optionale funktionale Weiterentwicklungen", beispielsweise gemäss den gesetzlichen Vorgaben des Bundes und der Kantone. Im Rahmen des Projektes Coopération werden auch die letzten 2 Gesellschafter auf das Applikationsportfolio der IGS migrieren, fügt er an.
Illustriert werden bei der IGS diese auch im Zuschlag auf Simap genannten "optionalen Weiterentwicklungen" mit der "gesetzlichen Änderungsdynamik". Diese umfassten im letzten Jahr zum Beispiel die Umsetzung der Corona-Entschädigung und Vaterschaftsentschädigung und in diesem Jahr etwa die Betreuungsentschädigung für pflegende Angehörige, Adoptionsentschädigung oder die Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs bei Krankheit. Dafür sei "eine zuverlässige, qualitätsgesicherte, termingerechte und kosteneffiziente" Umsetzung sicherzustellen, was Löwenfels als Partner gewährleiste.

Spezialwissen ist gefragt

Die Auftragsvergabe ohne Ausschreibung begründet Salton damit, dass es sich bei den genannten Applikationen um eine von der Löwenfels als individuelle Software entwickelte Lösung handle.
"Diese hohe Individualität der Applikationen erfordert ein hohes Expertenwissen für den wirtschaftlichen und betriebssicheren Support und die Wartung sowie die termingerechte, gesetzeskonforme Weiterentwicklung", schiebt Salton nach.
Damit wiederholt er, womit schon 2016 IGS-Verwaltungsratspräsident Jürgen Wenger gegenüber dem 'St. Galler Tagblatt' den Freihänder begründete: "In Anbetracht der hohen Individualität der Applikationen ist eine kosteneffiziente und qualifizierte Integration ohne Systemunterbrüche nur durch den Hersteller der Individualsoftware gewährleistet."

Wechselrisiko ist hoch

Auf die Frage, ob es in den letzten 4 Jahren nicht möglich gewesen wäre, Alternativen zu evaluieren, um eine Konkurrenzsituation zu schaffen und damit den Preis zu überprüfen, teilt Salton mit, dass eine anderweitige Vergabe der AMS-Leistungen das Betriebsrisiko erheblich erhöht hätte, womit zudem ein höheres Kostenrisiko verbunden gewesen wäre: "Solche Risiken einzugehen erachten wir in der aktuellen Situation und im Umfeld der für unsere Gesellschafterinnen wichtigen Sicherstellung der Durchführung des Sozialversicherungsgeschäftes als zu risikoreich", unterstreicht Salton die IGS-Position.

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