Auch Twitter soll sich für Tiktok interessieren

10. August 2020, 09:19
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Twitter hat weniger Geld als Microsoft, aber einen anderen Vorteil. Und Bill Gates findet das alles bizarr.

Im Gerangel um die Zukunft der chinesischen Video-App Tiktok ist ein weiterer Akteur auf der Bildfläche aufgetaucht. Nach einem Bericht des 'Wall Street Journal' hat auch Twitter Interesse. Nach ersten Gesprächen sei aber unklar, ob Twitter die Pläne vorantreiben werde, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen. Der chinesische Tiktok-Eigentümer Bytedance verhandelt gerade unter massivem Druck aus dem Weissen Haus mit Microsoft über eine Übernahme des Geschäfts zumindest in den USA und mehreren anderen Ländern. Laut 'Financial Times' will Redmond das gesamte Tiktok-Business kaufen.
Die populäre Video-App dürfte mehrere Dutzend Milliarden Dollar kosten, Schätzungen reichen von 15 Milliarden bis 50 Milliarden Dollar. Twitter ist dafür finanziell viel schlechter gerüstet als der IT-Riese Microsoft, der auf Reserven von mehr als 130 Milliarden Dollar sitzt. Allerdings könnte für den US-Kurznachrichtendienst von Vorteil sein, dass er anders als der Software-Konzern nicht zu den Grossen der Branche gehört. Derzeit nehmen Politik und Wettbewerbshüter die Marktmacht von Tech-Giganten international ins Visier.
Sollte Twitter zum Zuge kommen, hätte das auch eine gewisse Ironie: Der Kurznachrichten-Dienst hatte 2012 die Video-App Vine gekauft, aber wenige Jahre später im Rahmen von Sparmassnahmen eingestellt.
Weitere Bieter sind bislang nicht öffentlich bekannt geworden.

"Ziemlich bizarr"

Das Zeitfenster für einen Deal um Tiktok ist begrenzt: US-Präsident Donald Trump verfügte ein Verbot von Geschäften mit Bytedance, das Mitte September 2020 greifen soll. Gibt es bis dahin keine Lösung, würde dies das Aus für die App in den Vereinigten Staaten bedeuten.
Trumps Vorgehen wird sogar von Bill Gates kritisiert: "Dass Trump den einzigen Facebook-Konkurrenten getötet hat, ist ziemlich bizarr", sagte der Microsoft-Gründer in einem Interview mit 'Wired'. "Das Prinzip, nach dem das vor sich geht, ist einfach seltsam."
Tiktok kündigte umgehend an, rechtliche Schritte zu prüfen. Nach Informationen des US-Radiosenders 'NPR' ist mit einer baldigen Klage zu rechnen.
Die US-Regierung vertritt die Auffassung, dass Informationen amerikanischer Bürger bei Tiktok nicht sicher seien, da die Anbieter von chinesischen Behörden zur Kooperation gezwungen werden könnten. Tiktok weist dies zurück und verweist darauf, dass Daten amerikanischer Nutzer in den USA gespeichert würden.
Tiktok ist der erste globale Social-Media-Hit eines chinesischen Unternehmens und vor allem bei Jüngeren populär. Die App hat nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer allein in den USA.

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