Aufstand gegen das Ende von CentOS 8

11. Dezember 2020, 10:28
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Die Wogen gehen hoch, seit bekannt ist, dass Red Hat das reguläre CentOS Ende 2021 einstellen wird.

Red Hat hat angekündigt, wie die Zukunft des CentOS-Projekts aussehen soll. "Im Laufe des nächsten Jahres werden wir den Fokus von CentOS Linux, dem Rebuild von Red Hat Enterprise Linux (RHEL), auf CentOS Stream verlagern, das einem aktuellen RHEL-Release knapp vorausgeht", heisst es in einem Blogbeitrag. CentOS Linux 8, als Rebuild von RHEL 8, werde Ende 2021 auslaufen.
Die Mitteilung CentOS 8 einzustellen – CentOS 7 soll hingegen noch bis 2024 gepflegt werden – hat zu erheblichen Unruhen in der CentOS-Community geführt, wie man unter anderem in den Kommentaren unter dem Blogbeitrag sehen kann. Dort wird der Entscheid beispielsweise als "dumm" qualifiziert, weil er den Grund CentOS zu nutzen, untergrabe.
Abgesehen davon ist inzwischen eine Petition gestartet worden, die mindestens 7500 Unterschriften einbringen soll und inzwischen über 6000 Mal unterschrieben wurde. In deren Begründung wird unterstrichen, dass man bereits 2014, als CentOS von Red Hat übernommen wurde, misstrauisch gewesen sei. Denn der RHEL-Schöpfer Red Hat sei ein gewinnorientiertes Unternehmen, während CentOS eine quelloffene, freie und vollständige Linux-Distribution sei, die auf dem stabilen Zweig von RHEL basiere und auf fast 19% aller Linux-Webserver weltweit laufe.
CentOS Stream ist eine bereits seit September 2019 verfügbare Variante der Linux-Distribution, die wie ein "Rolling Release" stetige Updates und damit frischere Pakete als Red Hat Enterprise Linux (RHEL) erhalte, heisst es bei 'Heise'. Mit dem Schritt zu CentOS Stream werde CentOS zu einer Testdistribution degradiert, kritisieren die Petitionäre. Damit zerstöre Red Hat "vollständig die Nützlichkeit von CentOS als stabiles, freies, unternehmenstaugliches Betriebssystem, für das es in den letzten 16 Jahren von Millionen geschätzt wurde". Hinter dem Vorgang wird eine Strategie von Red Hat vermutet: damit diejenigen, die ein stabiles, unternehmenstaugliches Betriebssystem wollten, würden gezwungen, auf das "gewinnorientierte Betriebssystem" umzusteigen.
Gefordert wird denn auch vom CentOS-Vorstand, die reguläre Entwicklung von CentOS als stabiles, nachgelagertes RHEL mit Standardversionierung fortzusetzen. "Führen Sie auf jeden Fall den CentOS-Stream separat weiter, aber bitte zerstören Sie nicht das CentOS, das wir kennen und über die letzten 16 Jahre geliebt haben", heisst es in der Petition. Geschehe das nicht, werde auf lange Sicht die Marke zerstört, was der "Anfang vom Ende von RHEL sein" werde.

CentOS-Mitgründer startet einen neuen RHEL-Klon

'Heise' berichtet ausserdem, dass inzwischen CentOS-Mitgründer Greg Kurtzer einen neuen RHEL-Klon namens Rocky angekündigt und auch schon die passende Domain rockylinux.org registriert habe.
Kurtzer sei zuletzt zwar kein festes Mitglied im Entwicklerteam mehr gewesen, doch der von ihm geplante Klon soll, wie bisher CentOS, wieder der Veröffentlichungsfrequenz von Red Hat Enterprise Linux folgen. Dessen Quellen werden auch weiterhin veröffentlicht, um die Auflagen der GNU General Public License zu erfüllen. Der Name "Rockylinux" sei eine Hommage an den verstorbenen CentOS-Mitgründer und einstigen Maintainer Rocky McGough. 

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