Die Stadt Bern kann zusammen mit Zürich und Basel-Stadt eine neue Fallführungssoftware für den Sozialbereich entwickeln. Die Stimmberechtigten haben dem Vorhaben am Wochenende deutlich zugestimmt.
Mit einem Ja-Anteil von 68,9 Prozent stellten sich die Stimmenden hinter das Software-Projekt Citysoftnet, wie die Stadt Bern bekanntgab. Damit sind der Investitionskredit von 14,9 Millionen Franken und der Verpflichtungskredit von 4 Millionen Franken unter Dach.
Die Nein-Parole beschlossen hatten die SVP und die Grünalternativen. Sie verwiesen auf einen Medienbericht, wonach die bisherige Anbieter- und Betreiberfirma des Systems, Diartis, eine Standardlösung für bloss sechs Millionen Franken angeboten habe. Die Befürworter entgegneten, dabei handle es sich nicht um eine valable Alternative zur neuen Software. Recherchen
von inside-it.ch zeigten deutliche inhaltliche und finanzielle Unterschiede zwischen den beiden in der Beschaffung eingegangen Angeboten.
"Der entscheidende Schritt ist gemacht"
Bern, Zürich und Basel-Stadt waren übereingekommen, mit einem gemeinsamen Verein namens Citysoftnet die neue Fallführungssoftware gemeinsam zu entwickeln und einzuführen. Mit Citysoftnet werde auch der Datenschutz und die Datensicherheit bei den sozialen Diensten bedeutend verbessert, versicherte die Berner Stadtregierung.
Da die Eigentumsrechte an der Fallführungssoftware in den Besitz der Auftraggeber übergehen, erhoffen sich diese, die Abhängigkeit vom Lieferanten zu minimieren und ihren Einfluss auf die Entwicklung und die Weiterentwicklung zu maximieren. Ausserdem bestehen Ideen, die Software auf dem Markt anzubieten und mit Lizenzeinnahmen Investitionen rückzufinanzieren. "Heute hat die Firma Diartis im Bereich Sozialhilfe-Software faktisch eine Monopolstellung. Dank der Ausschreibung, welche die Firma Emineo gewonnen hat, gibt es in Zukunft ein attraktives Konkurrenzprodukt", sagte der Citysoftnet-Verantwortliche Thomas Alder der Berner Zeitung 'Der Bund' im Vorfeld der Abstimmung.
Zum Einsatz kommt die Software in der Stadt Bern beim Sozialamt, dem Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz sowie beim Kompetenzzentrum Integration.
Sozialdirektorin Franziska Teuscher (Grüne) freute sich über das klare Abstimmungsergebnis. Nach mehrjähriger Vorbereitung sei nun der entscheidende Schritt in diesem Städteprojekt gemacht, hielt sie in einem Communiqué fest.
Wie es nun weitergeht
In der Stadt Zürich und im Kanton Basel-Stadt gibt es keine Abstimmung, dort haben die Exekutiven das letzte Wort.
Bis Ende 2018 sollen die Verträge mit Emineo unterzeichnet und die Umsetzungsarbeiten gestartet werden. Laut den aktuellen Plänen wird die Software Anfang 2022 in Bern, Mitte 2022 in Zürich und Anfang 2023 in Basel in Betrieb genommen. (mag/sda)