Berner Gemeinde verliert wichtige Daten wegen Cloud-Panne

16. April 2021, 15:07
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Nach einem Update beim Cloud-Anbieter verlor Landiswil die Gemeinderechnung 2020 und mehr. "Wir konnten es nicht glauben", sagt uns die Gemeinde.

Im vergangenen Jahr beschloss die Berner Gemeinde Landiswil, ihre Daten in die Cloud zu verlagern. Anfang Dezember 2020 übertrug die Gemeindeverwaltung dann die Daten von der hauseigenen PC-Anlage in die Cloud. Das klappte so weit reibungslos, bis zum März dieses Jahres. "Am Montagmorgen, 22. März, zum Arbeitsbeginn, konnte die Verbindung zur Cloud nicht hergestellt werden, worauf wir uns mit der Betreiberin in Verbindung gesetzt haben", erklärt uns Gemeindeschreiberin Margrit Zürcher.
Im Verlaufe des Vormittags habe der Cloud-Anbieter versucht, den Fehler zu beheben. "Kurz vor dem Mittag wurde das Ausmass erkennbar und wir wurden telefonisch informiert. Zu diesem Zeitpunkt versuchte die Betreiberin die Daten noch anders wiederherzustellen, was leider nur mit den Mails und dem Kalender (Outlook/Microsoft) gelang", so Zürcher. Darauf habe man sofort eine Krisensitzung einberufen.
Denn: alle sonstigen zwischen dem 4. Dezember 2020 und 19. März 2021 eingegeben Daten sind für die Gemeinde und ihre etwas über 600 Einwohner unwiderruflich verloren. Gemeindepräsident Samuel Wittwer sagte dazu 'Bern-Ost': "Ich war zuerst fuchsteufelswild. Das ist ein Super-Gau für uns." Und auch Margrit Zürcher erklärt gegenüber inside-it.ch: "Wir konnten es eigentlich nicht glauben und haben im ersten Moment sicher das Ausmass nicht realisiert."

Zusätzliche Sicherung war nicht aktiviert

Schuld war ein Update, das der Cloud-Anbieter am Wochenende zuvor durchgeführt hatte. Zuerst habe es dort geheissen, das sei kein Problem, weil alles zusätzlich gesichert sei. Aber offenbar habe jemand bei der Cloud-Firma vergessen, ein Häkchen zu setzen, um eine zusätzliche Sicherung zu aktivieren. Die Gemeinde hatte in ihrem Vertrag eine Zweitspeicherung beziehungsweise Backup-Lösung explizit festgehalten.
Verloren hat Landiswil Daten aus der Finanzbuchhaltung, Fakturierung, Lohnbuchhaltung, Einwohnerkontrolle, Registerharmonisierung und Administration. Besonders ärgerlich sei der Verlust der Gemeinderechnung 2020, die in Arbeit und deshalb noch nicht im Papierarchiv abgelegt war. Diese sollte im Mai 2021 von der Gemeindeversammlung genehmigt werden. Die Versammlung musste nun auf unbestimmte Zeit verschoben werden, da die Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung zuerst die Daten und Dokumente wiederherstellen müssen.
"Die Programme wurden ab dem 24. März nach und nach wieder installiert und wir konnten auf dem ursprünglichen Datenstand bis zum 4. Dezember 2020 weiterarbeiten", sagt Gemeindeschreiberin Zürcher. Für diesen gebe es Sicherungskopien. Die Belege für den Rechnungsabschluss 2020 würden neu verbucht und nun kurz vor dem Abschluss stehen.

"Ein namhafter Berner Cloud-Anbieter"

Für die Einführung der Cloud-Lösung hatte Landiswil im Jahr 2020 einen Kredit von 10'500 Franken bewilligt. Wiederkehrend würden sich die zusätzlichen Kosten für den Cloud-Betrieb auf 8500 Franken jährlich belaufen, erklärt Zürcher. Der Auftrag ging an "einen namhaften Berner Cloud-Anbieter". Dessen Namen möchte die Gemeinde aber nicht nennen.
Denn trotz des gravierenden Zwischenfalls will Landiswil weiter mit diesem zusammenarbeiten. Nach dem Vorfall seien sofort zwei Chefs gekommen, um den Schaden zu besprechen. "Auch zuvor hat die Zusammenarbeit immer sehr gut funktioniert. Die Verantwortlichen taten mir fast ein bisschen leid", sagte Gemeindepräsident Wittwer.
Die Firma habe die Verantwortung übernommen und komme auch für die Mehrarbeit auf. Sie habe zusätzlich angeboten, Personal für die Wiederherstellung der Daten vor Ort zu stellen. "Aber es ist besser, wenn das Leute machen, die sich in der Materie auskennen", so Wittwer.

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