Bison-Abenteuer kostete auch 2014 viele Millionen

16. Juni 2015, 14:00
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2014 schrieb der Fenaco-Konzern weitere 30 Millionen Franken Darlehen an Bison ab. Doch das ist nicht alles.

2014 schrieb der Fenaco-Konzern weitere 30 Millionen Franken Darlehen an Bison ab. Doch das ist nicht alles. In den letzten 12 Jahren hat Fenaco wohl über eine halbe Miliarde Franken für das Software-Abenteuer verbrannt.
Zum letzten Mal lässt ein Blick in den Geschäftsbericht des Fenaco-Konzerns und wird deshalb bestimmte Kosten in Zukunft nicht mehr separat ausweisen müssen.
So findet man auf Seite 106 des Geschäftsberichts 2014 die fantastische Zahl 285 Millionen Franken. Dies ist die Höhe der "Darlehen an Equity-Beteiligungen" - eben die Bison Holding in Sursee, die für 2013 ausgewiesen worden ist. 2014 reduziert sich diese Zahl dann auf bescheidene vier Milliönchen. Denn Bison gehört nun ganz zum Fenaco-Konzern.
Da diesem sehr wahrscheinlich seit vielen Jahren klar war, dass Bison die Darlehen vielleicht nie wird zurückzahlen können, hat man sie laufend abgeschrieben - auch letztes Jahr. 2013 wurden 49 Millionen abgeschrieben, 2014 waren es weitere 30 Millionen. Auf unsere Frage, ob Fenaco bereits seit einigen Jahren nicht mehr mit der Rückzahlung der Darlehen rechnete, antwortet Pressesprecherin Alice Chalupny kryptisch: "Fenaco ist ein Unternehmen, das grundsätzlich vorsichtig und vorausschauend agiert. So hat sich Fenaco auch im Fall von Bison verhalten, um sich jederzeit verschiedene Optionen offen halten zu können."
Kommuniziert hat man allerdings in der Vergangenheit ganz anders. Noch im März 2011 sagte der damalige Fenaco-Finanzchef Werner Beyer der 'Neuen Luzerner Zeitung', die Darlehen (damals noch bescheidene 160 Millionen Franken) müssten "vollumfänglich zurückbezahlt werden."
Rechnet Fenaco heute damit, in Zukunft je Geld von Bison zurückzubekommen? Chalupny: "Wir haben, wie Sie wissen, in den vergangenen Monaten entsprechende Massnahmen eingeleitet und werden alles daran setzen, dass sich das Unternehmen Bison weiterhin wirtschaftlich positiv entwickelt."
Und noch mehr...
Doch die 30 Millionen für Wertberichtigungen des Darlehens sind nicht alles. Schliesslich bezahlen der Fenaco-Konzern respektive die Landi-Genossenschaften für die bisher verwendeten ERP-Systeme (Win3000) und insbesondere auch für die neue Lösung Bison Process und vor allem deren Einführung.
Wieviel Bison Process kostet, weist Fenaco im Geschäftsbericht nicht aus. Einige Zahlen lassen auf die Dimension schliessen. So gibt der Fenaco-Konzern einen Anschaffungswert für "EDV-Software" bis Ende 2014 kumuliert von 55 Millionen an. Davon wurden 44 Millionen abgeschrieben und 11 Millionen sind noch aktiviert. Wohlgemerkt: In diesen Beträgen ist nicht nur Bison Process enthalten, sondern alle als "immaterielle Anlagen" aktivierten Ausgaben für Software.
Ein anderer Hinweis auf die Kosten von Bison Process ergibt der Posten "andere betriebliche Aufwendungen" auf Seite 113 des Geschäftsberichts. Im Betrag von 43 Millionen Franken sind gemäss Fenaco "Kosten für die Einführung und den Betrieb von Warenwirtschaftslösungen der Bison Schweiz" enthalten.
Doch auch das ist nicht alles, denn Fenaco hat ja 2014 die Bison Holding AG in Sursee übernommen und dafür einen unbekannten Betrag bezahlt. Auch hier findet sich nicht mehr als ein vager Hinweis im Geschäftsbericht. Da steht nämlich auf Seite 114: "Die Veränderungen des Konsolidierungskreises haben zu einem Mittelabfluss in Höhe von 11,8 Millionen Franken geführt." Allerdings war die Aufstockung der Beteiligung an der Surseer Software-Holding auf hundert Prozent nicht die einzige Veränderung bei den Fenaco-Beteiligungen.
Hintergrund: Gescheiterte Expansion
Mit dem Kauf der Bison Holding und dem Weggang von Rudolf Fehlmann, im freien Markt zu etablieren.
Die Software wurde bis letztes Jahr nicht fertig - trotzdem leistete man sich teure Auftritte an der weltweit grössten IT-Messe CeBIT, kaufte die KMU-Software-Firma Europa 3000, ging Kooperationen ein und betrieb für ein Produkt, das nicht existierte, während vielen Jahren heftig Marketing.
Diese Zeiten sind vorbei: Ausserhalb des Fenaco-Konzerns spricht Bison nur noch wenige Nischenmärkte an, hat Stellen abgebaut und konzentriert sich darauf, einerseits Bison Process zu modernisieren, andererseits bei den komplexen Landi-Genossenschaften einzuführen. (hc)

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